Der Gamechanger der Versicherer liegt im Internet der Dinge

Der Gamechanger der Versicherer liegt im Internet der Dinge

Bildung & Recht 3 min. Lesezeit
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Holger Schmidt | Netzökonom Digital Economist & Speaker

Wie kann das Geschäft einer Versicherung digitalisiert werden? Weit über den Online-Verkauf der Verträge hinaus, weil das eben nur den Vertrieb, aber nicht das ganze Geschäftsmodell ändert. Der wahre Gamechanger für die (Sach-)Versicherungen liegt hingegen im Internet der Dinge, glaubt Stephan Noller. Statt Schadensmeldungen der Versicherten könnten künftig Sensoren in Häusern oder an technischen Geräten die relevanten Daten liefern, die dann verschlüsselt übertragen und sicher in der Blockchain abgelegt werden, um die nötige Rechtssicherheit zu erreichen. (-> So sieht es in einer Blockchain aus)

An dieser Stelle ist die Digitalisierung aber noch nicht vollendet. Denn die Versicherungen können die Daten dann mit Hilfe künstlicher Intelligenz auswerten, was ihnen Erkenntnisse liefert, ob tatsächlich ein Schaden vorliegt und ob gezahlt werden muss. Als Anwendungsbeispiel nennt Noller Feuchtigkeitssensoren, die nicht nur erfassen, ob ein Wasserschaden im Haus vorliegt, sondern zuvor auch vor einem drohenden Schaden warnen. „Versicherungen bekommen auf diese Weise valide Daten, die eine genaue Kalkulation ermöglichen“, erklärt Noller, der gemeinsam mit Leo Jugel, Stefan Graunke, Gesche Joost und Michael Merz das Unternehmen ubirch gegründet hat.

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Die vollautonome Versicherung

Statt einer Armee von Sachbearbeitern sind dann nur noch wenige Datenspezialisten nötig. Sogar die Auszahlung der Schadenssumme lässt sich mit Hilfe sogenannter Smart Contracts automatisieren, die direkt in der Blockchain mit abgelegt werden. „Ich finde die Vorstellung nicht abwegig, dass Versicherungen künftig weitgehend autonom arbeiten“, sagt Big-Data-Spezialist Noller. Das Geschäft müsste dann auch nicht mehr in der Hand klassischer Assekuranzen liegen. Auch Hardwarehersteller oder Tech-Konzerne, ausgestattet mit der Fähigkeit, aus den Datenströmen die richtigen Schlüsse zu ziehen und vor allem Versicherungsprämien exakt zu kalkulieren, könnten in den Markt einsteigen.

Ansätze der Versicherungen, mit Hilfe von Sensoren Daten über den Fahrstil ihr Kfz-Kunden, per Fitnesstracker über den Lebensstil der Krankenversicherten oder per Webcam über einen möglichen Einbruch in ein Haus zu erhalten, gibt es inzwischen viele. Für Noller und sein Team sind die geschützte Übertragung über das Mobilfunknetz und die Speicherung in einer Blockchain aber notwendige Schritte, um die Sicherheit zu gewährleisten. Dafür hat ubirch eine Technik für die Sensoren entwickelt, die extrem wenig Strom verbraucht, die Daten aber trotzdem stark verschlüsselt übertragen kann.

Feuchtigkeitssensor von ubirch

Feuchtigkeitssensor von ubirch

Noller möchte eigentlich nur die Plattform für die IOT-Anwendungen betreiben, also für die sichere Übertragung, Speicherung und Auswertung der Daten zuständig sein. Zum Start produziert ubirch allerdings auch die nötige Hardware und die passenden Anwendungen, um konkrete Fälle zeigen zu können. Neben den Feuchtigkeitssensoren, die vor Wasserschaden warnen (für Hausrat, Gebäude, Mieter/Vermieter-Rechtsschutz) sind auch Sensoren für Glasbruch, Einbruch, Fahrraddiebstahl oder Waschmaschinen denkbar. Wegen des heftigen Preisverfalls fallen Sensoren als Kostenfaktor immer weniger ins Gewicht und werden künftig in faktisch alle Geräte eingebaut.

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