Wie es mit Gewalt und Kriminalität in der digitalen Welt weitergeht

Wie es mit Gewalt und Kriminalität in der digitalen Welt weitergeht

Digitalisierung 3 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Seit Jahrhunderten haben unsere Staaten das Gewaltmonopol. Da wundert es nicht, dass im industriell-militärischen Komplex der Einsatz von Hightech seit mehr als 150 Jahren zum Erhalt der Macht eine wesentliche Rolle gespielt hat. In anderen staatlichen Belangen, wie etwa der Verwaltung oder im Verkehrswesen, hinken die staatlichen Stellen der Industrie bei der Nutzung von Hightech in der Regel hinterher.

Das schien die letzten Jahre auch für den Bereich der Verbrechensbekämpfung zu gelten. Die Cybercrime-Teams der Landeskriminalämter (LKAs) haben sich vor allem mit Phishing-Mails, Internet-Betrug und DDOS-Angriffen auf E-Commerce-Anbieter beschäftigt.

Seit Snowden ist klar, dass mindestens der amerikanische Staat keineswegs hinterher hinkt, sondern die Staaten begriffen haben, dass sie nur mit digitaler Hightech ihre Machtposition gegenüber dem Bürger und anderen Staaten werden behaupten können.

Auch das Gewaltmonopol unterliegt der Digitalen Transformation

Denn das Gewaltmonopol des Staates ist in der digitalen Welt das Recht zum Brechen des bürgerlichen Persönlichkeitsschutzes.

Haben wir im Zeitalter der Aufklärung das eigene Faustrecht gerne als Gewaltmonopol an unsere Staaten abgetreten, um im Gegenzug das Recht auf persönliches Eigentum zu erlangen, so müssen wir als Bürger im digitalen Zeitalter einen schlechteren Deal in Kauf nehmen. Damit der Staat sein Gewaltmonopol aufrechterhalten kann, müssen wir Bürger in Zukunft faktisch auf unser gewohntes Recht zur informationellen Selbstbestimmung verzichten. Das fällt besonders uns in Deutschland mit dem starken rechtlich verankerten Datenschutz schwer. Aber auch der deutsche Staat denkt darüber nach, wie er unsere Bürgerrechte einschränken kann.

“Auch das Gewaltmonopol unterliegt der Digitalen Transformation #Cybercrime #KünstlicheIntelligenz“

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Cyber-Truppen als Teil unserer Realität

Die USA sind offiziell im Cyberwar und die Bundeswehr rüstet sich und wirbt mit einer breit angelegten Offensive für ihre Digitalen Kräfte. Solche Cyber-Truppen in Armee und Staat gibt es nicht erst seit diesem Frühjahr, doch jetzt treten sie deutlicher in unser Bewusstsein. Karl Olsberg hat bereits vor mehr als zwei Jahren davon berichtet – eine schräge Truppe im Aufbau, die in ihren ersten Fall stolpert.

Guter deutscher Krimi mit IT- Sachverstand und philosophischem Hintergrund

Der Thriller „Delete“ war mein erstes Buch von Karl Olsberg, aber bestimmt nicht mein letztes. Es geht um eine neue Cyber-Polizeitruppe, die das LKA in Berlin aufgebaut hat, ohne recht zu wissen wie bzw. wo diese im realen Leben eingesetzt werden kann. Klar dürfen dabei die Charaktere des klassischen Nerdie-Hackers und des Wunder-Aspergers nicht fehlen. Eine geheimnisvolle Psychologin und ein echter Durchschnitts-Polizist runden das Bild ab. Die zentrale Figur ist der kantige Superkommissar Eisenberg, dem es gelingt, aus dieser Truppe von Sonderlingen während ihres ersten gemeinsamen Falles ein Team zu schmieden. Die Überzeichnung der Charaktere ermöglicht es dem Leser, sich voll auf die mehrschichtige Geschichte zu konzentrieren. (Wer will, kann das natürlich auch als klischeehaft bemängeln).

Was ist Realität und was Simulation?

Der erste Fall führt die Cyber-Polizeitruppe in einer Online-Spielewelt: Spieler dieser Welt verschwinden, aber in der realen Welt. Die Geschichte dahinter dreht sich um das spannende Wechselspiel zwischen der Cyber-Spielewelt, der realen Welt und der Frage, ob nicht vielleicht auch unsere reale Welt eine Simulation ist. Daraus spinnt Karl Olsberg mit Anlehnungen und Einbeziehung des Romans Simulacron-3 (1964) und des Films „Welt am Draht“ eine tolle Geschichte, die den Leser in doppelter Hinsicht packt: der Plot des Thrillers ist an sich schon spannend, dazu kommen noch die neuen Gedankenwelten der Simulationen, die Olsberg geschickt anstößt.

Ich finde „Delete“ einen tollen Themen-Krimi. Die Expertise des Autors im Umfeld von IT und Künstlicher Intelligenz ist deutlich spürbar und verstärkt das Lesevergnügen.

Karl Olsberg
Delete: Thriller
Berlin Verlag Taschenbuch, 464 Seiten, 9,99 Euro
Kindle Ausgabe 8,99 Euro

"Wie es mit Gewalt und Kriminalität in der digitalen Welt weitergeht"