Warum wir heute (digitale) Schwarmintelligenz brauchen

Warum wir heute (digitale) Schwarmintelligenz brauchen

Finanzen & Wirtschaft 3 min. Lesezeit
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Roger Studer Anlage- und Finanzexperte

Im Schwarm. Wie die Bienen. Oder die Vögel. Oder die Ameisen. Im Verbund hat jedes einzelne Individuum die Möglichkeit, den Schwarm zu steuern und Handlungen zu beeinflussen. So kann das Kollektiv mehr Einflussfaktoren und Lösungsmöglichkeiten berücksichtigen und dadurch besser entscheiden. Es entsteht eine Art Superorganismus. Verbunden mit einem Netzwerk an modernen Kommunikationskanälen speist das Individuum seine Fähigkeiten, sein Wissen in ein grösseres Ganzes ein.

Das ist die Idee der Schwarmintelligenz. Eine kollektive Intelligenz, die das Wissen jedes einzelnen sammelt. Schon Aristoteles beschäftigte sich mit seiner Summierungstheorie mit dieser Art von Intelligenz.

Vor allem Unternehmen versuchen, sich die Schwarmintelligenz zu Nutzen zu machen. Wer heute im harten, weltweiten Wettbewerb bestehen will, muss sich anstrengen, der Konkurrenz stets einen Schritt voraus zu sein. Wer in diesem Umfeld auf das Wissen eines Kollektivs zurückgreifen kann, gewinnt an Vorsprung. Die Basis dazu bildet der technologische Fortschritt und das Internet, insbesondere das Web 2.0 und seine künftigen Ausprägungen. Die neuen Medien machen die leichte und schnelle Erreichbarkeit der User möglich.

Im Netz wird aus Quantität Qualität

Die kollektive Intelligenz wird zunehmend zur Unterstützung von Businessentscheidungen genutzt, zum Beispiel in Form von Crowdsourcing oder Social Forecasting – eine moderne Form der Arbeitsteilung. Die Überzeugung dahinter: Eine heterogene Masse draussen im World Wide Web kann durch ihre Quantität die Qualität von individuellen Expertenmeinungen und -entscheidungen erreichen bzw. übertreffen. Der Vorteil für Unternehmen: Sie können Kosten für Spezialisten einsparen, zumal Studien bereits nachweisen konnten, dass die von Schwärmen hervorgebrachten Vorschläge in vielen Bereichen mit jenen von Profis qualitativ mindestens vergleichbar sind. Darüber hinaus wird die Crowd von Unternehmen vermehrt zur Lösung von Problemen miteinbezogen und Kunden werden direkt in den Produktionsprozess eingebunden, damit nicht an ihren Bedürfnissen „vorbeiproduziert“ wird. So entwickeln Kunden heute mit, was sie morgen konsumieren.

“Erst die Vernetzung macht die Menschen von heute zu einer #Crowd.“

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Doch die Crowd lässt sich nicht nur als Wissensquelle nutzen, sondern auch als Testumgebung, Finanzierungsmöglichkeit und Datenlieferant. So gibt es das Crowdtesting, bei dem eine virtuelle Community Feedbacks zu Fehlern und zur Usability von Smartphone-Anwendungen und von Online- und Direktabsatz-Portalen gibt. Es gibt das Crowdfunding, bei dem die Masse der Internet-User als Kapitalgeber gewonnen werden soll. Und es gibt das Mobile Crowdsourcing, das sich aufgrund der wachsenden Verbreitung von Smartphones entwickelt hat und die mobile Echtzeit-Datenerhebung möglich macht.

Das Zusammenspiel von Mensch und Technik führt heute zur Schwarmintelligenz

Damit die Schwarmintelligenz ihre Stärken entfalten kann, bedarf es zweier Entwicklungen, die sich die Waage halten müssen: Zum einen den weiteren Ausbau der technischen Möglichkeiten durch eine zielgerichtete Digitalisierung der Kommunikationsformen und des kollaborativen Arbeitens in der Cloud. Und zum anderen Menschen, die als Schwarm wirken, sich aber nicht als Schwarm definieren und sich nicht entsprechend verhalten. Denn nur eigenständige Meinungen, individuelles Wissen und selbständiges Handeln machen gesammelt und zur Essenz verdichtet die intelligente Lösung komplexer Probleme und Herausforderungen möglich.

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