3 Top Trends für das Luxus-Segment

3 Top Trends für das Luxus-Segment

Lifestyle 10 min. Lesezeit
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Michael Sandvoss Experte für Luxus und Lifestyle

Unser Leben und Arbeiten wird durch die Digitalisierung stark beeinflusst und zunehmend beschleunigt. Das Smartphone-Zeitalter verändert unser Kommunikationsverhalten und unsere Bedürfnisse. Die Welt wird für viele ungemütlicher und gefährlicher. Die Flüchtlingsthematik, die Terrorgefahr und all ihre Folgen werden in den Medien und den sozialen Netzwerke intensiv diskutiert.

Was geschieht unter diesen Bedingungen mit uns Menschen als Konsumenten? Wie wirken sich die aktuellen Entwicklungen auf das Luxussegment aus?

Ich stelle im Folgenden drei Top Einflussfaktoren und Trends vor, die für das Luxussegment von großer Bedeutung sind:

1. Der Megatrend Achtsamkeit: „Silence ist the new luxury“

Achtsamtkeit – oder englisch Mindfulness – wird in den kommenden Jahren für das Luxussegment von zentraler Bedeutung sein. Denn Achtsamkeit verspricht mehr Zufriedenheit und Freude im Leben – in nahezu allen Bereichen. Achtsamkeit zielt darauf ab, im Hier und Jetzt zu leben und die Welt bewusster wahrzunehmen – in unseren schnellen, hoch digitalisierten Zeiten ein wahrer Luxus. Achtsamkeit verspricht mehr Zufriedenheit und Freude im Leben – in nahezu allen Bereichen.

Schon jetzt hat der Begriff Achtsamkeit eine beispiellose Trend-Karriere hinter sich, wie Matthias Horx in der Einleitung zum Zukunftsreport 2016 treffend analysiert und mit Fakten belegt hat:

  • Achtsamkeit hat 34 Millionen Google-Treffer
  • Mindfulness schaffte es auf das Cover des „Time Magazine“

Außerdem widmet sich ein ganzes Zeitschriftensegment – die sogenannten Mindstyle Magazine wie z.B. „Happinez“, „Herzstück“ oder „Flow“ – erfolgreich dem Thema. Yoga boomt und Mediation ist salonfähig geworden.

Das Thema Achtsamkeit schaffte es sogar auf das Cover des Time Magazine

Das Thema Achtsamkeit schaffte es sogar auf das Cover des „Time Magazine“. | © TIME

Darüber hinaus gibt es eine Fülle an Mindful-Apps wie „Calm“, „Stop, Breathe & Think“ und „The Mindfulness Training App“. Es gibt Buchreihen, Mindfulness-Studios und natürlich Praxiskurse für Manager, in denen Achtsamkeit gelehrt wird. Auch in der Tourismus-Branche wird der Megatrend aufgegriffen. In hochwertigen Hotel-Ressorts werden bspw. zunehmend „Silence Areas“ angeboten, in denen man entspannen, meditieren und einfach zur Ruhe kommen kann.

Das Naturerlebnis als Lifestyle-Faktor

Zusätzlich wird die Erfahrung einer intakten Natur immer bedeutender. 14,5 Milliarden Euro setzt allein die deutsche Wanderbranche jährlich um, neun Milliarden davon entfallen auf Dienstleistungen wie Gaststätten und Unterkünfte. Das Wandern erlebt gerade einen Imagewandel, selbst den urbanen Hipster zieht es hinaus in Wald und Wiesen. Und der wichtigste Grund für diese beeindruckende Entwicklung ist das Naturerlebnis. Das seelische Erlebnis, das Umschalten, das Natur-Fühlen, das Zu-sich-kommen. Wandern ist ja auch gesund und wirkt sich laut medizinischen Studien positiv auf Blutdruck und Psyche aus. Hier zeigt sich der Achtsamkeitstrend in seiner angewandten Form. Und wer möchte, bucht sich einfach mit einem Kurs „Yoga und Bergwandern“ weiteren Lifestyle hinzu.

“Stille als #Luxus: Achtsamkeit und Analog heißen die Trends im Luxus- und Lifestyle-Segment.“

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Auch die wachsende Zahl an „Digital Detox“-Angeboten in Deutschland bestätigt den Trend „Achtsamkeit“. Das „digitale Entschlacken“ oder „digitale Heilfasten“, bei dem man im Urlaub komplett auf Smartphone, Tablet oder Laptop verzichtet, gibt einem Zeit, sich ganz auf sich selbst konzentrieren zu können. Die Unerreichbarkeit, das totale Abschalten und damit die Stille werden in einer urbanisierten, durchgetakteten Welt zum Luxus. Ein technologiefreier Zufluchtsort wie das „Seymour+“ mitten in Paris ist ein weiteres Beispiel für diese Entwicklung. Sowohl hier als auch am „Digital Detox“ lässt sich zudem ein weiterer Trend ablesen:

2. Analog wird zum Luxus der Avantgarde

Je digitalisierter unsere Welt wird, desto stärker wird unser Bedürfnis nach echten sinnlichen Erfahrungen – nach dem Analogen. „Analog ist das neue Bio“ heißt das Buch des Politikwissenschaftler Andreas Wilkens, in dem er die Entwicklung so auf den Punkt bringt: Weil die Masse der Menschen der Digitalisierung nicht entfliehen kann, werde „Analog“ immer häufiger zu einem Luxus werden, den sich nicht jeder leistet. „Dann spielen nur noch die Coolen Skat mit echten Karten.“

„Der große Luxus wird sein, sich möglichst viel analoge Zeiten und Räume leisten zu können.“

Bert te Wildt (Psychotherapeut)

Immer mehr Menschen entscheiden sich zeitweise bewusst gegen das Digitale. Es ist bspw. auch kein Zufall, dass die Eliten im Silicon Valley – diesem Sinnbild für Digitalisierung und Technisierung – ihre Kinder gerne auf Walldorf-Schulen schicken. Die Reichen und Schönen in Hollywood kommunizieren immer häufiger, dass sie sich Offline-Zeiten nehmen – und fördern so die Wiederentdeckung sinnlichen Erlebens. High Class Restaurants in New York, in denen Superstars verkehren, sammeln die Handys ihrer Gäste am Eingang ein, um diesen ein ungestörtes Essen zu ermöglichen.

Die Zukunft von Print liegt im Luxusmarkt

Das Analoge steht für eine selbstbestimmte, hohe Lebensqualität und Kultur. Ob es eine Agentur für handgeschriebene Briefe ist, der Vintage-Händler oder Polaroid-Künstler – sie alle profitieren zum einen von einer Sehnsucht nach Vergangenem, zum anderen von dem Wunsch nach etwas Greifbarem. Print ist und bleibt für den Luxusmarkt von großer Bedeutung und erlebt gerade eine Renaissance. Denn anders als der Konsum auf Smartphone oder Tablet „wirkt“ Print nach, wie der Hirnforscher Hans-Georg Häusel im Interview mit Peter Turi in der turi2 edition erklärt. Nimmt ein Mensch eine gedruckte Zeitschrift in die Hand, schalte sein Gehirn auf den Flanier-Modus, so Häusel. Er sei entspannter und nehme Inhalte anders auf. Die Leser sind bereit, einen Aufpreis zu zahlen, wenn der Inhalt Spaß macht oder Rat verspricht, so der Trendforscher Peter Wippermann. Er stellt treffend fest: Print ist schon dabei, Luxus zu werden.

3. Der Luxuskonsument ist ein „Prosumer“

Die Menschen sehnen sich immer mehr nach unvergesslichen Erlebnissen. Marken sollten auf einen Konsumenten reagieren, der zum „Prosumer“ geworden ist – einem Verbraucher, der gleichzeitig auch Produzent ist. Er wünscht sich zunehmend Dinge, die speziell für ihn angefertigt wurden. Und wer heute wirklich Luxus will, will sich auch selbst einbringen, erklärte Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös jüngst im „Welt am Sonntag“-Interview.

„Bespoke“ – übersetzt „nach Maß angefertigt“ – und „Ultra-Customization“ sind die Stichworte, die den Luxus- und Lifestyle-Bereich beherrschen. Burberry reagierte auf diesen Trend bspw. mit hochwertigen Schals, die selbst designbar sind sowie mit dem „Choose-Your-Own Adventure Coat“. Mey bietet z.B. mit der Marke „mey Story“ individualisierte Unterwäsche mit persönlichem Monogramm an.

Die „Smart Personalisation“ von Burberry im Video:

Luxus dank individueller, einzigartiger Erlebnisse

Und auch in anderen Branchen außerhalb der Mode-Welt stehen die Zeichen auf „Individualisierung“. Die Menschen wollen Erlebnisse, von denen sie erzählen können. Einige Beispiele der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass es sich lohnt, genau auf diesen Trend zu setzen – und dass man neue, einfache Ideen nicht unterschätzen sollte. Die Gründer von Diensten wie Uber oder Airbnb wurden anfangs von etablierten Anbietern belächelt. Heute gelten sie als wichtige Plattformen und bereiten genau diesen Etablierten immer mehr Probleme. Ihre Kunden belohnen zunehmend die Individualität der Services, die diese Dienste ausmachen.

Bei Uber geht es zum Beispiel nur auf den ersten Blick um einen Taxidienst. Vielmehr zeigt das Unternehmen, wie sich die Revolution des Digitalen Bahn bricht. Uber wird aktuell mit über 60 Milliarden Dollar bewertet, weil der Kapitalmarkt in Uber den neuen Logistik-Monopolisten sieht. Wer hätte das zu Beginn gedacht. Die „Verspieltheit“ der Konzepte bewirkte bei Uber oder auch bei Airbnb, dass ihre Gründer hierzulande anfangs nicht richtig ernst genommen wurden. Sie greifen etablierte Branche mit ihren disruptiven Geschäftsmodellen gezielt an. Airbnb hat es so geschafft, etablierten Luxushotels ernsthafte Konkurrenz zu machen.

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Friedrich Schiller

„Experience“ als Luxus-Faktor

Beide Unternehmen haben verstanden, dass sich moderne Konsumenten immer öfter dem Unpersönlichem widersetzen – und bieten ganz individuelle, einzigartige Luxus-Erlebnisse. Bei Uber oder weiteren Diensten wie Blacklane fährt nicht nur die klassische, schwarze Limousine vor und bringt mich von A nach B bringt. Sie sind meist günstiger, bieten mehr Komfort und Services, die normale Taxifahrten zumeist vermissen lassen – wie persönliche Ansprache, Türaufhalten, ein Getränk oder die Abfrage meines Musikwunsches.

Pariser Luxushotels fürchten Airbnb | www.michaelsandvoss.de | © HUANG Zheng @ Shutterstock

Die Pariser Luxushotels fürchten Airbnb. | © HUANG Zheng @ Shutterstock

Airbnb ist deshalb so erfolgreich, weil es oft deutlich günstiger ist und gleichzeitig den Aufenthalt individualisiert und zum einzigartigen Erlebnis werden lässt. Es bietet „Experience“. Die Luxus-Apartments, die in immer mehr Städten angeboten werden, sind nicht unbedingt großzügiger als eine Hotel-Suite. Doch sie sind von meinem Gastgeber persönlich und individuell eingerichtet. Der Reisende bleibt bei seinem Aufenthalt selbstbestimmt – ein wahrer Luxus in hoch digitalisierten Zeiten. Hierzu gehört auch, dass man sein Reiseziel fernab der ausgetretenen Touristenpfade „spielend“ kennenlernt, Orte und Städte mit ganz anderen Augen sieht – nämlich durch die seines Gastgebers.

“Experience als Luxus-Faktor: Moderne Konsumenten möchten von Erlebnissen erzählen können.“

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Der Gastgeber teilt „sein“ ganzes Stadtviertel, sodass sich der Besucher heimisch fühlt. Er teilt seine Wohnung und fördert so eine nachhaltige Nutzung bestehender Ressourcen. Airbnb ist einer der Vorreiter der Sharing Economy, in der Nachhaltigkeit zu einem entscheidenden Kriterium geworden ist, denn dem Konsumenten von heute geht es nicht um den reinen Besitz. Er sucht vielmehr Sinn und Ausgleich mit der ihn umgebenden Umwelt.

Der Konsument achtet auf Qualität und die Sinnhaftigkeit des Produktes

Der Luxuskonsument verändert seine Bedürfnisse schneller als von vielen erwartet. Der Megatrend Achtsamkeit bewirkt, dass er z.B. Qualität, Produktionsketten und Sinnhaftigeit eines Produktes noch viel bewusster wahrnehmen wird. Der Handel sollte zunehmend darauf achten, „Auszeiten“ für den gestressten und sinnsuchenden Konsumenten zu bieten und den „Beziehungsaufbau“ noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen. In einer zunehmend digitalsierten Welt werden „analoge Angebote“ wie hochqualitative Zeitungen und Zeitschriften immer mehr zum Luxus. Der Luxuskonsument als „Prosumer“ will mitgestalten und auf ihn persönlich zugeschnittene individuelle Angebote.

Wenn Hersteller von Luxusgütern die oben beschriebenen Trends entsprechend erkennen und bedienen, eröffnen sich ihnen viele interessante Chancen, den Luxus-Konsumenten anzusprechen und von der eigenen Marke zu überzeugen.

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