Mixed Leadership: Verständnis schaffen statt Grabenkämpfe führen

Mixed Leadership: Verständnis schaffen statt Grabenkämpfe führen

Kommunikation 4 min. Lesezeit
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Christiane Wolff Expertin für Unternehmenskommunikation

Gemischte Teams sind besser, heißt es. Wie kommt es dann, dass der Frauenanteil in Führungsetagen wieder gesunken ist? Christiane Wolff, Leiterin Kommunikation bei Serviceplan und Netzwerk-Profi, erklärt, welche Wege zum Mixed Leadership führen.

In der obersten Führungsriege ist der Anteil von Frauen auf 25 Prozent gesunken – da waren wir schon mal vor genau zehn Jahren. Das besagt eine aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufungsforschung (IAB) vom Januar. Ein Schritt vor zwei zurück?

Wollen Männer wirklich weiter unter sich bleiben da oben? Was können wir alle dafür tun, damit endlich gemischte Teams auch auf den obersten Ebenen zusammen arbeiten – und dabei Spaß und Erfolg haben? Studien belegen schließlich, dass gemischten Teams die besseren Teams sind.

Wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung stellt Katrin Seifarth in „Das Sieger-Team. 40 handfeste Tipps für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Frauen und Männern im Job” heraus.

1. Verständnis für einander schaffen:

Erst wenn Frauen Männer besser verstehen und umgekehrt auch Männer Frauen in Geschäftssituationen besser einstufen und wahrnehmen lernen, kann ein Miteinander im Job erfolgreich sein – und noch mehr Spaß machen. Und hier muss sich keiner verbiegen – sondern einfach neugierig sein, ein bisschen besser zuhören und Situationen einfach mal anders angehen.

In ihrem praxisorientierten Buch zeigt Seifarth dazu zahlreiche Jobsituationen, die wir alle kennen. Und in denen es besonders zwischen Frauen und Männern immer wieder zu Konflikten und Missverständnissen kommt: sei es bei Meetings und Präsentationen, bei Problem- und Konfliktmanagement, Teamwork und Mitarbeiterführung, Verhandlung und Karriereplanung oder auch beim Netzwerken. Mit zwei unterschiedlichen Sichtweisen von Situationen durch die klischeehafte „Eva“ und den klischeehaften „Adam“ stellt sie nach jeder Geschäftssituation die unterschiedliche Herangehensweise auf – und zeigt, wie Verständnis für das andere Geschlecht sowie eine Veränderung in der eigenen Verhaltensweise möglich sind. Natürlich sind auch alle Frauen und Männer unterschiedlich, für die Aufarbeitung der Situationen im Job ist das Verwenden von Stereotypen im Buch jedoch hilfreich.

2. Netzwerken – häufiger nach oben

Auch beim Netzwerken zeigt sich der unterschiedliche Umgang mit dem Thema von Mann und Frau. Frauen, so die Autorin, nutzen Netzwerken in erster Linie, um sich Hilfe oder Informationen zu holen. Sie netzwerken „quer“ und eben nicht nach oben, wie Männer das zu tun pflegen. „Adam ist oft firmenübergreifend mindestens auf gleicher Ebene, wenn nicht sogar ein bis zwei Ebenen darüber vernetzt. Als ziel- und lösungsorientierter Mensch nutzt er die Netzwerke primär, um beruflich vorwärtszukommen, um Geschäft zu generieren. Daher wird er auch in der Firma immer mehr nach oben netzwerken als seitwärts. Er kennt jeden potentiellen Vorgesetzten persönlich, möglicherweise aber nicht wie Eva den Kollegen aus dem Einkauf.

Die Konsequenz ist klar: Wird irgendwo eine Stelle frei, profitiert er davon, dass er sich bereits informell bei dem Vorgesetzten ins Gespräch gebracht hat. Man kennt ihn eben.“ Die Autorin gibt hier als Tipp, auch weiterhin quer zu netzwerken, denn auch das hat natürlich seine Berechtigung, um sich auszutauschen und gegenseitig auf gleicher Ebene zu unterstützen. Aber Frauen sollten unbedingt – auch wenn es ihnen anfangs schwerfällt – nach oben netzwerken. Und Männer sollten nicht nur nach oben um der Karriere Willen und für den eigenen Nutzen netzwerken – sondern auch langfristige und auch emotionalere Netzwerkbekanntschaften pflegen. Und für alle gilt: Ziele klar definieren. Welchen Nutzen verspreche ich mir von einem Netzwerk und welches Netzwerk eignet sich dafür.

Ersterscheinung auf W&V / Mixed Leadership: Verständnis schaffen statt Grabenkämpfe führen


Nachwort

Nicht nur im Job und beim Netzwerken können wir alle, ob Frau oder Mann, unsere Rollen und unser Verhalten überdenken und sensibler werden – auch im Alltag gibt es da einige Möglichkeiten. Katrin Seifahrt hat da für uns Evas eine schöne Idee, wie besonders Frauen mehr Raum beanspruchen können. Hier ihr Tipp, den ich gerne zum Nachmachen weiterempfehlen möchte: „Beanspruchen Sie Ihren Raum. Setzen Sie sich im Flugzeug doch mal in die Mitte und okkupieren Sie beide Armlehnen. Ich habe mir mittlerweile einen Sport daraus gemacht.“ Auch meine liebe Ex-Kollegin Britta Poetzsch hat dazu schon geschrieben.

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