Wie sieht die Zukunft der Banken aus?

Wie sieht die Zukunft der Banken aus?

Digitalisierung 4 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Wer greift an und was sehen und haben wir Verbraucher aktuell davon?

Die Bankenwelt ist im Umbruch. Im Privatumfeld wurden (mindestens) die Filialbanken zu Allfinanz-Instituten umstrukturiert; das ist die schöne Umschreibung für Versicherungs- und Finanzprodukt-Vertriebsorganisationen.

Die FinTechs (Finanztechnologie Unternehmen) wollen in die etablierten Kundenbeziehungen der Banken eindringen. Dafür nutzen sie vier Angriffspunkte:

  • Mobile First – alle Funktionen über das Smartphone zu bedienen
  • Kontext herstellen – Mehr Überblick über die eigenen Einnahmen und Ausgaben
  • Senken von Transaktionskosten – manche Bankgebühren sind einfach zu hoch
  • Sofortige Verbuchung – Ohne Kreditkarte online bezahlen

 Mobile First – alles vom Smartphone aus

Warum müssen Bankangelegenheiten in der Filiale oder auf dem PC stattfinden? Mobile First bedeutet nicht, ein paar Dinge holprig mit einer App machen zu können, sondern alle Kontoaspekte optimiert über das Smartphone auszuführen statt über einen PC oder gar den Besuch in einer Bankfiliale. Genau diesen Weg geht etwa Number26. Seit Anfang des Monats kann man hier sogar innerhalb von Sekunden einen Dispokredit beantragen, ohne ein Formular auszufüllen oder mit einem Berater zu sprechen.

Kontext herstellen – Zahlungen im Überblick

Die digitale Welt von Facebook, WhatsApp und Co. stellt Beziehungen zwischen Ereignissen, Menschen und Wissen her – also Kontext. Einen solchen Kontext oder Timelines (zeitliche Abhängigkeiten) suchen wir in unseren Kontoauszügen jedoch vergeblich. Dazu hat sich eine kleine Armee von Helfern aufgestellt, die Finanzdaten in einen Kontext setzen und damit einen Mehrwert zum langweiligen Kontoauszug bieten (Starmoney, Outbank, Centralway Numbrs, Finanzblick). Das Bankverhältnis bleibt erstmal unangetastet – bis die ersten modernen Konten (wie Number26) aufkommen, die diese Funktion schon eingebaut haben. Für viele Inhaber eines „normalen“ Kontos, sind diese Apps ein erster Schritt, einen Teilbereich ihres Kontos auf dem Handy oder Tablet zu bedienen und etwas über ihre Ausgabenstruktur zu erfahren.

“Wie sieht die Zukunft der Banken aus? Eine Analyse, 4 Disruptionsfelder #FinTech #MobileBanking“

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Senken der Transaktionskosten / Gebühren

Das (nach außen) auf Sicherheit angelegte Bankensystem ist von einer hohen Ineffizienz geprägt. Für jede einzelne Überweisung sind viele Schritte und Partner involviert: Bank, Bundesbank, Clearing, Buchung, Buchungsschnitt, Verrechnung. In der Kreditkartenwelt sind bis zu 13 Partner involviert, die in Summe ca. 3 Prozent der Transaktionssumme als Gebühren verschlingen. Neue Ansätze bieten sowohl neue Währungskonzepte wie Bitcoin als auch FinTechs wie TransferWise, Cringle, Azimo an, die vor allem Überweisungen (ins Ausland oder zwischen Freunden) preiswerter und einfacher machen.

Die hohen Transaktionskosten verhindern heute auch eine Reihe interessanter Anwendungsfälle für uns Verbraucher: Das Zahlen kleiner Beträge z.B. für das Parkhaus, oder den Kaffee an der Ecke.

Sofortige Buchung – Zahlen per Textnachricht im Internet

Die komplizierten Bankbuchungen werden zudem nur periodisch, meist einmal am Tag, zur Clearingstelle übermittelt. In der Online-Welt kann eine Transaktion aber erst abgeschlossen und die Ware versendet werden, wenn der Geldaustausch gesichert durchgeführt wurde. Die Antwort der Bankenwelt auf Paypal, Apple Pay und Co. heißt „SEPA Instant Payment“. Damit kann auch in der Bankenwelt in Zukunft eine Überweisung so schnell wie eine Textnachricht durchgeführt werden. Noch haben die Banken große Schwierigkeiten, ihre IT- Systeme auf diese neuen Anforderungen und Möglichkeiten umzustellen.

Die Frage ist damit, wer schneller ist und wem wir vertrauen. Wenn die Banken sich nicht bald zusammenraufen und SEPA Instant Pay umsetzen, dann heißt unser nächster Zahlungsverkehrsabwickler Apple oder Facebook.

Infografik: Die Zukunft zahlt bargeldlos | Statista
Quelle: Statista

Ein Happy End?

In der Welt der digitalen Plattformen wird die Geld-Transaktion nur noch ein kleiner Baustein, eine „as a Service“ Leistung sein, aber keine margenträchtige Kernleistung mehr. Banken werden damit per se nicht mehr ihre Machtposition aus der heutigen Welt in die digitale Welt von morgen retten können. Ist es daher klug, sich mit schlanken Startups anzulegen und sich mit SEPA Instant Pay quasi selbst zu disruptieren?

Die Finanzbranche sollte sich also fragen, was der eigentliche Nutzen ihrer Services war. Meine These: Sicherheit (dass nichts verloren geht!). Daraus könnte man doch interessante neue Geschäftsmodelle aufbauen. Die Bank als unser persönlich vertrauter Verwalter und Wächter für all die Plattformen, die in Zukunft unser Geld anlegen und verbrauchen werden.

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