Amerika zeigt uns: Trends schaffen, nicht verschlafen

Amerika zeigt uns: Trends schaffen, nicht verschlafen

Finanzen & Wirtschaft 3 min. Lesezeit
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Roger Studer Anlage- und Finanzexperte

Silicon Valley ist zum Synonym schlechthin für Innovation geworden. Im Umland von San Francisco sind die bedeutendsten technologischen Ideen der Neuzeit entstanden, dort sitzen die wichtigsten Unternehmen der modernen IT- und High-Tech-Industrie, zu deren bekanntesten Apple, Google, Facebook, Amazon, Tesla, Oracle oder Dell gehören.

Vom Glanz und vom Erfolg des Silicon Valley versuchen seither auf der ganzen Welt auch andere zu profitieren. Sie planen Gebiete und die Ansiedlung von High-Tech-Unternehmen, oder mindestens Gebäudekomplexe, in denen hoffnungsvolle Startups zu digitalen Highflyern werden wollen. „Silicon“ oder „Valley“ wird dann gerne in der Benennung der Region oder des lokalen Technoparks geführt, in Anlehnung an das Original.

Doch Erfolg ist damit nicht garantiert. So manches vermeintliche IT-Center in hiesigen Gefilden musste schnell erkennen, dass ein namentlicher Bezug auf das Silicon Valley alleine nicht reicht. Aus hochfliegenden Plänen in der Provinz sind so vielfach tiefstürzende Ernüchterungen gefolgt.

Denn Silicon Valley – das Original – und damit die amerikanische Vorherrschaft in den digitalen Technologien hat viel mit der amerikanischen Mentalität zu tun. Und mit der engen Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft.

In den USA ist ein ausgeprägtes Verständnis dafür vorhanden, Fehler machen zu dürfen; der Blick ist nach vorne gerichtet. Falliert ein Vorhaben, wird der grundsätzliche Mut dazu weit höher gewichtet als die vermeintliche Niederlage an sich. Das Ende eines Projektes ist immer auch der Anfang zu einem nächsten Projekt. Mit dieser Bereitschaft zum Risiko korreliert die Bereitschaft zur Vergabe von Risikokapital an innovative, ideenreiche Startups.

“Was wir von den Amerikanern lernen können: Mut wird höher gewichtet als vermeintliche Niederlagen.“

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Derweil bei uns Unternehmensgründer nicht selten so lange an ihrer einstmals guten Idee hängen, bis diese überholt wird, sind in den USA gute Ideen Handelsware. Gute Ideen werden gekauft und verkauft, weiterentwickelt und eingestampft. Nicht die hinausgezögerte Kontrolle über die gute Idee ist entscheidend, sondern die Monetarisierung und der Ausbau der guten Idee. Es wird nicht gezögert, nicht gezaudert. Ein Erfinder wartet nicht zwingend, bis er sich – nicht selten contre coeur – zum mehr schlechten als rechten Unternehmer entwickelt hat. Er verkauft seine Pläne, seine Erfindung rechtzeitig und wendet sich, mit dem gemachten Geld neuen Plänen, neuen Erfindungen zu – derweil bringen andere die Idee zur Marktreife und zum Durchbruch.

Damit können strategische Schwächen, wie sie zuletzt die europäischer Industrie im digitalen Wettlauf gezeigt hat, verhindert werden. Trends werden in den USA geschaffen, nicht verschlafen. Auch darum ist heute beispielsweise die Smartphone-Entwicklung voll und ganz in amerikanischen und asiatischen Händen.

Gute Ideen stammen in den USA meist direkt aus dem universitären Umfeld. Auch die wirtschaftliche Entwicklung des Silicon Valley begann Anfang der 1950er Jahre mit der Einrichtung des Stanford Industrial Park, einem Forschungs- und Industriegebiet neben der Stanford University. Nach und nach gründeten ehemalige Mitarbeiter von Elektronikfirmen sowie Absolventen der Universitäten kleine Unternehmen und entwickelten neue Ideen und Produkte. Die Dichte der IT-Unternehmen und die Nähe zu den Universitäten und Forschungseinrichtungen garantieren den Wissenstransfer und die Kompetenz für alle weiteren Entwicklungen.

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