Smart Home – eine kleine Typologie zur Kaufempfehlung

Smart Home – eine kleine Typologie zur Kaufempfehlung

Digitalisierung 5 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Von unterwegs das Licht schalten, die Heizung regeln oder erfahren, welche Familienmitglieder sich gerade im Haus aufhalten – das Thema Heimautomatisierung, besser bekannt als Smart Home, bietet vielfältige Möglichkeiten. Dieser Artikel will helfen, die vielen Hersteller und ihre Konzepte zu beleuchten und einzuordnen.

Bei jeder Smart Home Lösung geht es vom ersten Sensor an um „DAS SYSTEM“. Denn bei den meisten Anbietern gibt es durch ein proprietäres Protokoll oder eine kleine Inkompatibilität zum Standardprotokoll ein gewünschtes „lock in“: die Abhängigkeit, ab jetzt alles von diesem Anbieter zu kaufen.

eQ-3, ein großer (nord-)deutscher Anbieter, beackert das Thema als Pionier schon seit Jahren. Neben dem weit verbreiteten HomeMatic-System stellen die Emdener auch für QIVICON (Telekom) und RWE Smarthome die kompletten Systeme zur Verfügung. Da könnte man ja auf Interkompatibilität hoffen. Aber absolute Fehlanzeige! Alles aus dem Hause eQ-3 wird fein säuberlich gegeneinander abgeschottet. Kein feiner Zug! HomeMatic setzt auf den autarken, absolut datenschutzkonformen Eigenbetrieb hinter dem eigenen DSL- Anschluss. Cloud-Dienste müssen kostenpflichtig hinzugebucht werden.

Standard-Protokolle

Offene (Funk-) Standards sind etwa Z-Wave, ZigBee oder EnOcean. Für diese Systeme kann man die Sensoren und Aktoren von verschiedenen Herstellern kaufen, benötigt dann aber eine Zentrale, die sich auf die verschiedenen Geräte versteht. Das ist ein guter Ansatz, zumal der Preis der Zentralen in den letzten 18 Monaten von mehreren 100 Euro je nach Modell auf unter 200 Euro (homee, Fibaro) bzw. 400 Euro (Zipato, Fibaro) gefallen ist.

Richtig gut wird es, wenn diese Zentralen mehr als ein Protokoll verstehen und damit die Abhängigkeit von der gewählten Sensor- und Aktor-Welt verringern. Damit verschiebt sich der Freiheitsgrad von der Protokollebene auf die Ebene der Zentralen.

Bei den Smart Home-Zentralen gibt es derzeit viele neue Player, von denen sicherlich noch ein paar auf der Strecke bleiben werden. Der größte Invest sind in der Regel die Sensoren und Aktoren. Wer dabei auf einen der großen Standards gesetzt hat, hat bei den Zentralen nichts zu befürchten.

Wichtigste Eigenschaft dieser neuartigen Generation von Zentralen ist die Integrationsfähigkeit. So gehört es zum guten Ton, das Hue Lichtsystem von Philips (basierend auf Zigbee) einbinden zu können. Immer mehr Systeme können auch die Netatmo-Wetterstationen oder Thermostate, z.B. Tado integrieren.

Deutsche Vielfalt

Eine Sonderstellung nimmt Deutschlands beliebtester Router ein, die FritzBox von AVM. Seit einiger Zeit lassen sich damit per DECT Funksteckdosen schalten und neuerdings auch Heizkörperthermostate. Die enorme Verbreitung der AVM Router sichert eine breite Basis an potenziellen Nutzern. Ob die Funktionen dem anspruchsvolleren Anwender ausreichen werden, bleibt offen.

Andere deutsche Anbieter sind schon lange im Bereich Heimelektronik unterwegs, konnten Vertrauen zu ihren Nutzern aufbauen und wollen gerne vorne mitmischen: Gigaset hat mit Elements eine vor allem auf Heim-Sicherheit fokussierte Lösung am Start und Devolo setzt auf das offene Z-Wave – hat sich aber mit ein paar Sonderlocken etwas vom Standard entfernt. (Vor allem Lokal-Patrioten sollten diese Lösung aus Aachen dennoch in die engere Auswahl nehmen!)

“Der #Smarthome Überblick für alle Neugierigen – damit wir jetzt einfach anfangen und mitgestalten können!“

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Und natürlich auch dabei: Google und Apple

Neben den multiprotokollfähigen Smart Home-Zentralen versuchen sich auch die Internet Riesen in der Integration von Diensten und wollen damit Endkunden und Anbieter auf ihre Smarthome-Plattformen locken:

Google (korrekt Alphabet) hat schon Anfang 2014 mit dem Kauf von Nest (Hersteller eines intelligenten Heizungsthermostates) seinen Hegemonie-Anspruch beim Thema Smart Home deutlich gemacht.

Apple hat mit HomeKit eine Plattform in Stellung gebracht, die die Lösungen vieler kreativer Lösungsanbieter für Sensoren und Aktoren unter dem Dach von Apple vereinen und mit einer einheitlichen Ansteuerungslogik und Oberfläche präsentieren soll. Damit will auch Apple zum Schleusenwärter für unsere Daten zu Hause werden und nochmal ein gutes Stück mehr von unserem Datenkuchen verarbeiten und lenken.

Probieren geht über Studieren!

Das sieht zunächst nach einem unüberschaubaren Markt aus, und der erfahrene Technologie- Profi neigt dazu, 2 bis 3 Jahre zu warten bis sich erste Oligopole gebildet haben und die Entscheidung einfacher wird.

Doch wie bei allen digitalen Plattformen geht es auch beim Thema Heimautomation um mehr als reine Technologie. Schließlich sind wir bereit, einem Anbieter freiwillig Daten über unser Zuhause, „unsere Burg“, zugänglich zu machen. Wieso sollten wir die Entscheidung, welche Unternehmen sich dabei durchsetzen, den üblichen Marktmechanismen von Unternehmensmacht und Preis überlassen? Stattdessen sollte sich jeder jetzt schon mit den verschiedenen Aspekten von Smart Home und Heimautomatisierung beschäftigen!

So wiederhole ich gerne meinen Rat, schon jetzt 200 bis 300 Euro zum Kennenlernen und Spielen in Smart Home Systeme zu investieren und es einfach mal zu wagen. Nur so werden wir zu Experten für das „Internet der Dinge“ und können aktiv mitreden – und genau das sollten wir auch tun!

"Smart Home – eine kleine Typologie zur Kaufempfehlung"