Die Impulse aus den Emerging Markets

Die Impulse aus den Emerging Markets

Finanzen & Wirtschaft 2 min. Lesezeit
Profilfoto von Roger Studer Anlage- und Finanzexperte
Roger Studer Anlage- und Finanzexperte

Die Globalisierung hat die Welt verändert. Sie brachte Tempo, sie brachte Dynamik. Sie machte Druck und schaffte Gegendruck. Und sie brachte den grossen Aufschwung der Emerging Markets. Aus den vormaligen „Schwellenländern“ wurden die „aufstrebenden Märkte“, aus dem politisch inkorrekten „Entwicklungsländern“ wurden eben neudeutsch „Emerging Markets“.

Bei Emerging Markets schwang früher mit: das Paradies für Glücksritter, Abenteurer und Hasardeure. Eine Art Schatzinsel, von der gemunkelt wird, aber niemand wirklich weiss, wo sie liegt. Was zuvor belächelt wurde und nur wenigen Investoren als verheissungsvolle Anlagemöglichkeit bekannt war, wurde plötzlich zu einem Boom-Segment. Goldgräber-Stimmung kam auf. Aus „unterentwickelt“ wurde „hoffnungsvoll“. China, Indien, Südkorea, Russland, Brasilien: Hier wurde Wachstum geschaffen. In Dimensionen, wie wir sie im alten Europa schon länger nicht mehr gesehen haben.

Die Globalisierung rückte die Emerging Markets in den Fokus, die neue Kommunikation und ihre endlosen Möglichkeiten vergrösserten das Wissen – auch über entlegene Weltregionen. Aus dem Unbekannten weit weg wurde das scheinbar Bekannte ziemlich nah. Die Emerging Markets, wo 85 Prozent aller Menschen auf drei Vierteln der Landmasse der Welt leben, haben von der schnell zunehmenden internationalen Vernetzung der Wirtschaft profitiert. Aus Ländern, die erst noch den Anschluss zu schaffen versuchten, wurden plötzlich entscheidende Antreiber und voranschreitende Innovatoren, was höhere Wachstumsraten versprach und bessere Renditen erwarten liess. Mitte der 2000er-Jahre erreichte die Prosperität ihren vorläufigen Höhepunkt.

Viele der hoffnungsvollen Emerging Markets haben ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber den grossen Industrienationen inzwischen wieder eingebüsst. Die Arbeitskosten vergrössern sich bei inzwischen geringerem Produktivitätszuwachs. Die Bürokratie ist gross, die Korruption auch. Und die Politik, zum Nachteil der Wirtschaft, ist in einigen Ländern aggressiv.

“Auf Goldgräber-Stimmung folgt Ernüchterung: Eine differenzierte Sicht auf #EmergingMarkets lohnt.“

Twittern WhatsApp

Der Hype ist abgeflacht. Und die Erkenntnis hat sich durchgesetzt: Nicht alle Emerging Markets sind gleich, wie mit der einheitlichen Definition fälschlicherweise suggeriert wurde. Denn so differenziert sich die Welt trotz Globalisierung in ihrer regionalen Ausprägung weiterhin präsentiert, so differenzieren sind auch die Emerging Markets. Die Entwicklungsstufen der einzelnen Länder sind unterschiedlich und ihre Entwicklungen nicht kontinuierlich. Die Rohstoff exportierenden Länder der Emerging Markets leiden unter dem aktuellen Preiszerfall, während die Rohstoff importierenden Länder der Emerging Markets von den Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt profitieren.

“#Globalisierung hat neue Abhängigkeiten geschaffen: #EmergingMarkets bieten aber Chance & Risiko.“

Twittern WhatsApp

Die Globalisierung brachte eben auch Instabilität und Diskontinuität. Emerging Markets bleiben eine Schatzinsel. Wer die Schatzkarte richtig zu deuten weiss, kann den Aufschwung finden. Denn ohne die Impulse aus den Emerging Markets werden sich die Wachstumszyklen auch in den reiferen Volkswirtschaften verkürzen und weniger ausprägen. Die Globalisierung hat eben auch neue Abhängigkeiten geschaffen.

"Die Impulse aus den Emerging Markets"