Die Glokalisierung macht kreativ

Die Glokalisierung macht kreativ

Finanzen & Wirtschaft 2 min. Lesezeit
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Roger Studer Anlage- und Finanzexperte

Wir essen mit grösster Selbstverständlichkeit Tapas und Sushi und Dulce de Leche und Pilaw. Und gleichzeitig wollen wir genau wissen, von welchem regionalen Bauernhof das Rindfleisch für das Carpaccio kommt und der Wirz im Wok und die Hühnereier für die Eiernockerln in der Heisswasserpfanne.

An unserem Essverhalten lässt sich die ganz private „Glokalisierung“ ablesen. „Glokalisierung“, als Begriff geprägt vom amerikanischen Soziologen Roland Robertson, fasst zwei der grossen Megatrends der Gegenwart und der Zukunft in einem Wort zusammen: Globalisierung und Lokalisierung.

Während wir bei der Arbeit, in der Wirtschaft und im Lebensstil von der ganzen Welt geprägt werden, findet gleichzeitig eine Rückbesinnung auf lokale Traditionen, Werte und Eigenarten statt. Zum einen – bei der Globalisierung – verschwindet die Geografie aus der Ökonomie und findet zum andern – durch die Lokalisierung – wieder Eingang in unser Leben, das sich so im Kleinen organisieren lässt und dort Halt findet.

Die Glokalisierung verbindet Ökonomie und Kultur. Denn das Globale wird dem Regionalen nicht einfach gegenübergestellt, die beiden Ausprägungen erreichen eine gegenseitige Durchdringung, ergänzen sich, verbinden sich zu Neuem. Die Globalisierung frisst ihre Kinder also nicht, sondern macht sie durch die Glokalisierung kreativ. Das Globale setzt sich nicht über das Regionale hinweg, sondern bietet – geschickt genutzt – neue Perspektiven. Mikro durchdringt Makro. Auch, weil es zu bedenken gilt: Das Lokale wurde schon immer auf überlokaler Ebene gestaltet, veredelt, weiterentwickelt. Ein Grossteil der Förderung des Lokalen erfolgt durch das Überlokale. Gerade auch vor diesem Hintergrund müssen Regionen Verbindungen bilden: sich auf ihre jeweiligen Stärken besinnen, diese konsequent ausbauen und im globalen Raum vermarkten und positionieren. Die Schweiz hat in diesem Prozess Vorteile, weil sie schon immer „glokalisiert“ war. Die Schweiz ist eine Willensnation, die aus ökonomischen Transaktions – und nicht aus nationalpolitischen Distanzkostengründen geschaffen wurde. Der Föderalismus, der das Kleine im Grossen fördert, ist der Schweiz geradezu eigen.

“Globales setzt sich nicht über Regionales hinweg, sondern schafft Perspektiven: #Glokalisierung“

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Und was für Regionen und Länder gilt, gilt im gleichen Masse für Unternehmen. Die digitale Kommunikation und der technische Fortschritt machen auch für kleine Unternehmen den Zugriff auf die Weltmärkte möglich. Denn kleinere Unternehmen sind sehr oft agiler, sie sind nicht auf die globale Vereinheitlichung angewiesen und können vor diesem Hintergrund Rücksicht nehmen auf regionale Eigenheiten, sie können ihre Vermarktung „kulturadäquat“ differenzieren und die Ausgestaltung der Angebote in vielen Teilen nach regionalen Gewohnheiten individualisieren. Denn in einer bei aller fortschreitenden Globalisierung noch immer von Verschiedenheit geprägten Welt, sind die Unternehmen erfolgreich, die nicht mit global undifferenzierten Massenprodukten, sondern auch mit auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnittenen Angeboten, eben glokal, auf ihre Kunden zugehen können.

"Die Glokalisierung macht kreativ"