Unsere Zukunft in der digitalen Welt: Wie wir dem digitalen Wandel begegnen müssen.

Unsere Zukunft in der digitalen Welt: Wie wir dem digitalen Wandel begegnen müssen.

Finanzen & Wirtschaft 4 min. Lesezeit
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Roger Studer Anlage- und Finanzexperte

Wenn ich mir die Start-ups mit den führenden Technologie-Unternehmen ansehe, deren Wert auf über 1 Milliarde Dollar gestiegen ist, dann fällt einem sofort auf: Es sind fast alles amerikanische Unternehmen aus dem Silicon Valley. Ich wünsche mir aber, dass auch europäische Länder wie Deutschland, die Schweiz usw. ebenso stark vertreten wären. Sucht man nach Ursachen für die Situation, so haben diese mit Sicherheit nichts mit der Kompetenz, den Ideen oder dem Know-how der hiesigen Start-ups zu tun. Die entscheidende Frage ist, wie viel Kapital sind Investoren bereit zu investieren, um neue Ideen voran zu treiben.

Das Aufschliessen zur Weltspitze im Bereich der Digitalisierung halte ich entscheidend für eine erfolgreiche Zukunft. Die digitalen Neuerungen bzw. die „disruptiven Technologien“, die alte Geschäftsmodelle infrage stellen, werden die Welt nachhaltig verändern, unabhängig davon, wo die Unternehmen beheimatet sind. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Dominanz der amerikanischen Konzerne wie Google, Facebook, Amazon und Apple. Wir stehen nun vor der Wahl, ob unsere Wirtschaft von aussen verändert wird, oder ob wir die Veränderung selbst gestaltend in die Hand nehmen.

Auch meine eigene Branche wird selbstverständlich von der Digitalisierung beeinflusst. Fintech-Unternehmen bieten einzelne Bankdienstleistungen an, ohne selbst Banken zu sein. Investoren waren diese neuen Geschäftsmodelle im Jahr 2014 12,2 Milliarden Euro wert. Der grösste Teil dieses Geldes, etwa 60%, wurde in den USA investiert. In Europa dominieren bei weitem Grossbritannien und Irland. Auf Fintechs aus Deutschland fielen beispielsweise nur 0,6% der Investitionen. Dieses Missverhältnis ist durch nichts zu rechtfertigen und muss sich ändern, wenn wir den Anschluss nicht verlieren wollen.

Höchst spannend ist auch die neue Rolle der digitalen Giganten. Google ist beispielsweise nicht mehr auf externe Geldgeber angewiesen, sondern ist selbst einer der grössten Investoren im digitalen Business geworden. Das Unternehmen, das nun Teil des alles umspannenden Mutterkonzerns „Alphabet“ ist, investiert in erfolgversprechende Firmen bzw. macht sie zu einem Teil des digitalen Alphabets. Hier sehe ich die Gefahr, dass wir angesichts eines übermächtigen Gegners, in Angststarre verfallen, obwohl genau das Gegenteil nötig ist: Wir müssen unsere eigenen Stärken erkennen und fördern.

Wie erreichen wir dieses Ziel? Brauchen wir ein eigenes Silicon Valley oder ein eigenes, europäisches Google/ Alphabet? Zu glauben, man könne das Prinzip des Erfolges einfach 1:1 kopieren, halte ich nicht für aussichtsreich. Der Erfolg der grossen amerikanischen Konzerne und des Start-up-Ökosystems im Silicon Valley hat verschiedene Gründe. Vorbildlich ist dort die enge Verzahnung von Universitäten und Wirtschaft. Talente können so früh erkannt und gezielt gefördert werden. Viele Investoren wollen heute an die Erfolge von vor fünf Jahren anknüpfen und suchen die Nähe zu den Universitäten im Valley. Doch in einer vollständig vernetzten Welt garantiert niemand, dass die nächste brillante Erfolgsidee wieder dort entsteht. Die Wahrscheinlichkeit wird sogar geringer. Bei der Suche nach aussichtsreichen Projekten halte ich ein weit gespanntes Netz deswegen für unerlässlich.

Die amerikanische Kultur des Scheiterns ist ambivalent: Wer im Silicon Valley heutzutage nicht mehrere Misserfolge aufzuweisen hat, sprich: auch mehrere Millionen Dollar verloren hat, gilt nicht als potentieller Schöpfer einer wirklich genialen Geschäftsidee. Andererseits brauchen Unternehmen, ebenso wie Investoren, Vertrauen und Mut. Vertrauen in ihre Idee und Mut, den Weg bis zum Ende zu gehen – auch wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt. Wahr ist: Gerade aus gescheiterten Projekten lässt sich sehr viel lernen. Falsch ist: Aussichtslose Projekte weiter zu finanzieren. Der goldene Mittelweg zwischen Geldverschwendung und Unterfinanzierung ist hier die aussichtsreichste Strategie.

“Investieren anstatt warten – warum wir heute und nicht morgen die digitale Welt gestalten sollten.“

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In die digitale Zukunft zu investieren bedeutet nicht ausschliesslich die Förderung von neuen Unternehmen, die digitale, disruptive Technologien entwickeln. Investoren rate ich darum, nicht nur auf das nächste “grosse Ding“ zu warten. Digitalisierung ist eine Perspektive für Unternehmen in allen Branchen und zwar schon heute. Digitales Marketing, Big-Data-Strategien und digitale Vernetzung (Industrie 4.0, Internet der Dinge) sind Megatrends und Bereiche, in denen Investitionen sofort möglich sind und von denen Unternehmen sofort profitieren könnten.

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