Warum Investoren die Finger von Sharing Communities lassen sollten

Warum Investoren die Finger von Sharing Communities lassen sollten

Digitalisierung 3 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Sharing Economy ist hip und bei einer guten Gemeinschafts-Aktion sind wir gerne dabei! Doch darf Sharing Economy überhaupt von Investoren getrieben sein?

Das Internet befreit die Menschen von den vielen sklavischen, kapitalistischen Systemen: endlich können wir uns in freien Gemeinschaften zusammenschließen – und das über alle räumlichen Distanzen hinweg! Wofür brauchen wir noch Hotels, wenn wir ein Zimmer in einer beliebigen Stadt dieser Welt auch bei einem Freund in unserer weltweiten Gemeinschaft finden können? Egal ob Übernachtungen (Airbnb), Personenbeförderung (Uber) oder auch Haushaltshilfen (TaskRabbit): der Sharing Hype geht um und wir fühlen uns alle ein wenig hip, wenn wir mitmachen.

Ebay – die Mutter aller Sharing Communities

Dabei können wir die Entwicklung dieses Gedankens schon bei einer der älteren Plattformen aus der ersten Internet-Hype-Welle Anfang der 2000er Jahre gut beobachten: eBay startete mit dem Ansatz, endlich einen weltweiten Markt für die kleinen privaten Verkäufe zu schaffen. Das innovative Bewertungssystem sollte Transparenz für Käufer und Verkäufer schaffen. Als es mit dem Wachstum nicht mehr so richtig weiter ging und der Hunger der Investoren wuchs, wurden die Powerseller erfunden. Heute ist eBay vor allem eine Plattform für Sofortkauf-Artikel von größeren Händlern, die einen zusätzlichen Kanal zum stationären Handel brauchen.

Wenn eine Plattform relativ neu ist, wird viel über die Disruptionskraft geredet und gestritten, das kennen wir aus den letzten Monaten vor allem von Uber. Und manchmal schalten sich auch die Behörden ein. Bei Airbnb geht es (bisher) nicht ganz so emotional zu wie bei Uber, aber auch hier wird diskutiert: Macht Airbnb Hotels kaputt? Nimmt Airbnb Einwohnern einer Stadt wichtigen Wohnraum weg und treibt so die Mieten nach oben? Wie ist das Ganze steuerlich und hygienisch zu bewerten?

Sehr schön herausgearbeitet hat diese Diskussion eine Studentengruppe aus Berlin mit einem Informationsprojekt: unter http://www.airbnbvsberlin.de kann jeder die Zahlen und Vergleiche nachlesen und darüber nachdenken. – Sehr empfehlenswert!

(Die weiteren aktuellen Kritikpunkte an AirBnB sind ein anderes Thema.)

Investoren zerstören den Gemeinschaftsgedanken

Bei diesen Diskussionen wird vor allem klar, dass die großen und gehypten Plattformen, die Investoren so lieben, per Definition keine Sharing Communities sind, sondern knallharte digitale Geschäftsmodelle. Wenn ein Großteil der angebotenen Wohnungen in einer Stadt von ein paar Handvoll Vermietern angeboten wird (zum Teil über 40 Wohnungen von einer einzigen Person!), dann hat das nichts mehr mit Sharing Community oder Sharing Economy zu tun! Das ist auch von Vermieterseite handfestes Business.

Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. – Aber: Diese großen kapitalintensiven Plattformen versperren den Weg für das, was den Namen Sharing Economy verdient: Kleine Faire Plattformen die in weiten Teilen von Enthusiasten betrieben werden und über die man Werkzeug, Kleider oder Bücher leihen oder tauschen kann.

“Investoren für #Sharing Communities – kann das gutgehen?“

Twittern WhatsApp

Ob diese kleineren Plattformen wirklich die echten Gemeinschaften sind, in denen man sich gegenseitig vertrauen kann; oder nur Modelle, die nicht professionell genug gemanagt werden und daher einfach (noch) keinen Erfolg haben – das mag jeder für sich herausfinden.

Perfektes Business contra Sharing-Ansatz

Ich selber bin überzeugt, dass man heute nicht (mehr) alles besitzen muss. Mann kann viel mehr mieten, leihen oder tauschen als wir uns in einer Welt vor dem Internet vorstellen konnten. Aber wir sollten präzise bleiben und die großen Investor-getriebenen Modelle mit ihren perfekten Prozessen nicht mit den etwas hemdsärmeligen echten Gemeinschafts-Projekten vergleichen. Denn die Großen sind eigentlich gar keine richtigen Gemeinschaftsmodelle, leben aber von diesem Image. Die abertausenden kleineren fairen digitalen Plattformen jedoch fliegen unter unserem Radar und werden nicht wahrgenommen.

Also vor der nächsten Anschaffung einfach mal die Suchmaschine befragen. – Es lohnt sich!

"Warum Investoren die Finger von Sharing Communities lassen sollten"