Automation hat den Raum, den wir ihr geben!

Automation hat den Raum, den wir ihr geben!

Digitalisierung 4 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Nicolas Carrs Buch „Abgehängt: Wo bleibt der Mensch, wenn Computer entscheiden?“ hat zwar schon ein paar Tage auf dem Buckel, aber seine Überlegungen zu den Auswirkungen der digitalen Vernetzung für uns Menschen sind in Anbetracht der Diskussion über die vielen potentiellen neuen Arbeitslosen ein hochaktuelles Thema.

Eine neue Sicht auf unsere Digitale Vernetzung

Das Buch ist vor knapp einem Jahr übrigens bei Verlagen rund um die Welt am gleichen Tag in verschiedenen Sprachen erschienen – (wann) hat es das schon mal gegeben? Anscheinend will Autor Nicholas Carr in unserer globalisierten Welt seine Gedanken möglichst vielen Menschen zur gleichen Zeit zugänglich machen. Ein interessanter Ansatz, der zum Tenor von „The Glass Cage. Automation and us“ passt. – Doch fangen wir vorne an.

Carrs letzte Werke „Wer bin ich, wenn ich Online bin“ (2011) (Ein Selbstversuch, der inhaltlich nicht nur von Schirrmacher gerne aufgegriffen wurde) und „The big Switch“ (2009), eine tolle historische Auseinandersetzung mit Innovation und Monopolen von Edison bis Google, waren zu ihrem jeweiligen Erscheinen für mich eine Bereicherung für die Sichtweisen und Facetten einer vernetzten digitalen Welt.

Effizienz und Kostenreduktion sind die falschen Ziele!

Meine Vorfreude auf das neue Buch wurde nicht enttäuscht: Nicholas Carr beleuchtet in „Abgehängt“, was Technik mit uns machen kann, wenn wir die Auswahl und den Einsatz von Technik nicht übergeordneten Sichtweisen unterwerfen und endlich gesellschaftliche Regeln für digitale Werte aufstellen. Am Beispiel von Piloten und Ärzten macht er deutlich, was uns allen in unseren Berufen bevorsteht, wenn wir die Technik unter falschen Zielen wie Effizienz und Kostenreduktion auswählen und implementieren.

Seine Ausführungen sind an der ein oder anderen Stelle etwas ausschweifend, aber Nicholas Carr kommt immer wieder auf die wesentlichen Punkte zurück. Er erläutert nachvollziehbar, durch welche Entwicklungen und Entscheidungen es schon vor der digitalen Gesellschaft in diesen Branchen dazu gekommen ist, dass wir als Menschen mit Maschinen konkurrieren und dabei meistens verlieren.

Leitlinien für unsere digitale Autonomie

Nach einer Vielzahl negativer Beispiele wurde ich angesichts meiner Überzeugungen beim Lesen schon ein wenig hibbelig, ob Carr sich jetzt auf die Seite der Technikhasser- und Verhinderer für digitale Transformation geschlagen hat. In den weiteren Kapiteln spinnt er jedoch einen Plan und beleuchtet mit der gleichen Akribie wie zuvor nun Ansätze für Digitale Plattformen, mit denen wir Menschen in Zukunft unsere Maschinen und Technologien zu unserem Wohle einsetzen können und sollten. Wir dürfen als Menschen nicht zu einem Abarbeiter, Überwacher oder Genehmiger eigentlich schon digitaler Prozesse werden, denn dann werden wir von den Maschinen versklavt. Dass dies heute in einigen Bereichen schon fast normal ist liegt nicht an der Technologie, oder den Maschinen an sich. Es liegt vielmehr daran, wie wir Prozesse und deren Interface-Design aufsetzen.

“#digitaleTransformation und neue #digitaleGeschäftsmodelle ohne neue Arbeitslose – Nicholas Carr zeigt uns wie!“

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Die konstruktiven Vorschläge von Nicholas Carr können uns als Leitlinie und Hinweis zum Erhalt unserer digitalen Autonomie dienen: Wir Menschen haben es bei der Automatisierung der Welt durch digitale Geschäftsmodelle selber in der Hand, uns nicht (weiter) in die von vielen befürchtete Knechtschaft der Maschinen zu begeben.

Gegen Ende des Buches eröffnet Carr noch ein neues Themengebiet: Maschinen-Entscheidungs-Ethik (Bremst mein selbstfahrendes Auto für einen Hund, und gefährdet damit mich als Insassen?)

Das ist sicherlich ein wichtiges Thema, aber leider reißt Nicholas Carr es nur an und baut keinen konkreten Lösungsbogen für echte digitale Werte auf. So endet das Buch ein wenig offen und zusammenhangslos. Ob der Autor die Lösung schon gefunden hat und wir darüber im nächsten Buch lesen können, oder ob ihn dieses drängende Problem so beschäftigt hat, dass er es uns zumindest als Aufgabenstellung mitgeben wollte, werden wir wohl erst erfahren, wenn wir sein nächstes Buch in Händen halten.

Nicholas Carr

Abgehängt: Wo bleibt der Mensch, wenn Computer entscheiden?

Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 318 Seiten, 19,90 Euro
Kindle Ausgabe 15,99 Euro

 

 

 

"Automation hat den Raum, den wir ihr geben!"