Erkenntnis als Wegweiser zum Glück

Erkenntnis als Wegweiser zum Glück

Lifestyle 6 min. Lesezeit
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Michael Sandvoss Experte für Luxus und Lifestyle

Der philosophische Spaziergang mit Jens Corssen.

Die Menschen suchten immer schon nach Wegen zum Glück. Viele sind heute materiell abgesichert und sind dennoch unzufrieden, fühlen sich fremdbestimmt, klagen über Zeitmangel und sind gestresst. Wie soll da ein Wohlbefinden oder gar ein Glücksgefühl aufkommen? Die Frage ist: Kann man sich dieses Gefühl auch in widrigen Lebensumständen selbst erschaffen?

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung“
– Saint-Exupéry –

  • Haben Sie sich heute schon darüber geärgert, dass Sie etwas machen müssen, was Sie eigentlich nicht wirklich tun wollen?
  • Gehen Sie gerne in Ihre Firma?
  • Wollen Sie wirklich das tun, was dort von Ihnen verlangt wird?
  • Und wollen Sie wirklich in Ihrer jetzigen Beziehung sein?

Wenn Sie bei dem einen oder anderen Punkt gedacht haben: „Nein wirklich nicht!“, dann sind Sie in guter Gesellschaft. Die meisten Menschen klagen über Ihre Situation und verstimmen sich damit. Das klingt alles andere als nach einem einen schönen Lifestyle und schon gar nicht nach Luxusgefühlen.

Auf meinem „philosophischen Spaziergang“ in Münchens Englischem Garten, in der Reihe „The Art of Living“, habe ich dieses Thema mit dem Diplom-Psychologen und philosophischen Lebensberater Jens Corssen diskutiert.

„Tue das was du tust mit ganzen Herzen“
– Dalai Lama –

Philosophischer Gedankenaustausch mit Jens Corssen

Philosophischer Gedankenaustausch mit Jens Corssen | © artpoolweb.com

Woher kommt es, dass so viele Menschen über die Umstände, in denen sie leben, klagen und scheinbar nicht das tun, was sie eigentlich tun wollen? Das erinnert mich an den Titel des James-Dean-Films „Denn sie wissen nicht was sie tun“. Warum tun sich so viele Menschen das an?

Jens Corssen (JC): Dem liegt ein tragischer und folgenschwerer Denkfehler zu Grunde. Die Leidenden wissen nicht, dass sie das, was sie gerade tun, letztendlich wirklich wollen. Der Erleuchtungssatz lautet hier: „Wo ich bin, will ich sein, alles andere war mir bisher, in meiner Vorstellung zu teuer“ (Geld, Angst, Schuldgefühle, Moral).

Wir sind alle Kostenberechner und Schnäppchenjäger. Wir entscheiden uns automatisch für das geringste Übel. Wer also meint, er muss in die Arbeit, der irrt und macht sich nicht klar, dass er das letztendlich will, weil er damit ein Ziel erreichen möchte. Er geht unlustig zur Arbeit, weil er mit dem verdienten Geld seine verschiedenen Bedürfnisse erfüllen kann. Wenn man also nicht im Leid versinken will, denkt man besser: Ich habe keine Lust und ich tue es, weil es sinnvoll für mein Ziel ist.

Der schnellste Weg aus der Ohn-Macht in die Eigen-Macht führt über die Formel Ich muss nicht, ich will! Und noch ein Beispiel aus dem privaten Bereich:

Wer permanent über seine Beziehung klagt, ist sich nicht darüber bewusst, dass er unterm Strich in dieser Beziehung sein will, weil ihm jede bekannte Alternative noch unangenehmer erscheint. Er ist also ein schlauer Preisvergleicher und entscheidet sich für das aus seiner Sicht geringste Übel, und das ist eben im Augenblick das Beste für ihn.

Philosophischer Spaziergang mit Jens Corssen

Philosophischer Spaziergang mit Jens Corssen | © artpoolweb.com

Das heißt, dass wir am Ende viel weniger fremdbestimmt sind, als wir alle oft glauben. Wir handeln aus egoistischem Kalkül, und haben uns sicher oft auch aus ethischen Gründen entschieden, das zu tun, was wir dann aber beklagen. Richtig?

JC: Ja, in Gesprächen stelle ich oft fest, dass sich die Menschen nicht immer aus purem Egoismus für ihr Handeln entscheiden, sondern auch aus Rücksicht und ethischen Motiven. Wenn sie sich das klar machen, würden sie weniger ihr „Schicksal“ beklagen wie zum Beispiel:

Eine Frau pflegt ihre kranke Mutter und klagt aber häufig darüber, dass sie deshalb ihr wirkliches Leben nicht leben kann. Es scheint, als ob sie fremdbestimmt sei. Diese Annahme ist eine gefährliche Depressionsstrategie. Sie kann sich aber davor schützen, wenn sie jeden Morgen den Satz liest „Was ich tue, will ich. Sonst täte ich es nicht“.

Wenn ich Sie richtig verstehe, gehen Sie davon aus, dass ihr nicht täglich bewusst ist, dass sie sich um ihre Mutter aus vielen Beweggründen kümmern will. Warum denkt sie trotzdem, sie sei ein Opfer, was ihr natürlich aufs Gemüt drückt?

JC: Meist denken wir automatisch („das gibt`s doch nicht“), wir können aber auch selber denken („das gehört alles zum Leben, was ich erwählt habe, dazu“). Wenn wir erkennen, dass wir das, was wir machen auch tun wollen, kommen wir in eine klare Bewusstheit, und das befreit uns aus der Verstimmtheit heraus aus der Opferhaltung. So können wir also zum Boss unsere Gestimmtheit werden. Und wir erkennen,  dass unsere gegenwärtige Situation, die wir beklagen, im Grunde die Folge unserer eigenen täglichen Entscheidung ist.

The Art of Living - mit Jens Corssen

The Art of Living – mit Jens Corssen | © artpoolweb.com

Wenn wir uns also dessen bewusst sind, dass unser Handeln in unserem Bezugsrahmen sinnvoll ist, erschaffen wir uns dadurch auch eine positivere Grundstimmung und sind aufgestellter. Kann man dann also sagen: Wo Sinn ist, ist weniger Verstimmtheit?

JC: Ja, man kann es auf die Kurzformel bringen: „Wo Sinn ist, ist Glück!“. Ich glaube, dass die zwanghafte Suche nach dem Glücklichsein uns unglücklich machen kann. Deshalb ist meine Empfehlung: „Suche nicht nach dem Glück, erschaffe Dir einen Sinn und lebe danach“. So bringst Du Dich mit der Zeit in eine gehobene Gestimmtheit. Das Glück, was ja ein augenblickliches Hochgefühl ist, stellt sich in dieser Gestimmtheit auch häufiger ein.

In einer Zeit, in der die zunehmende Digitalisierung ein Gefühl der Fremdbestimmtheit in uns auslöst, haben wir zumindest den Trost und die Gewissheit, dass wir noch immer die Kontrolle und Macht über unsere Gestimmtheit haben.

“#TheArtOfLiving: Der philosophische Spaziergang mit #JensCorssen.“

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Die Erkenntnis, dass wir das, was wir tun, letztendlich tun wollen, gibt uns den Sinn zurück, befreit uns aus der Opferrolle und dem Klagen. Und so erschaffen wir die Voraussetzung dafür, dass uns das Glück öfter besucht.

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