Wir sind noch nicht reif für eine digitale Gesellschaft

Wir sind noch nicht reif für eine digitale Gesellschaft

Digitalisierung 2 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Ein Kommentar zum Hackerangriff auf den Bundestag

Vor über vier Wochen ist das Computernetz des Bundestages angegriffen und damit in seiner Integrität zerstört worden. Was von einigen Security-Spezialisten schon damals befürchtet wurde, scheint sich jetzt zu bewahrheiten: Das Netz und die einzelnen Computer sind so stark infiltriert und korrumpiert worden, dass eine Wiederherstellung im laufenden Betrieb nicht möglich scheint. Das Netzwerk mit all seinen Rechnern, Servern und auch Daten muss wahrscheinlich aufgegeben und komplett neu aufgebaut werden. Immer noch fließen Daten zu fremden Mächten ab. Seit über VIER Wochen.

Was das für die parlamentarische Arbeit im Detail bedeutet, kann sich keiner vorstellen. Wenn ein Krankenhaus oder Flughafen für einen Zeitraum von vier Wochen ohne reale IT-Unterstützung wäre, würde der Betrieb vollständig eingestellt. Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, ob ein Datensatz echt ist oder manipuliert, oder ob er inzwischen einem fremden Geheimdienst bekannt ist. Doch in unserem Fall handelt es sich nicht um einen Flughafen, oder ein Krankenhaus – sondern um das gesamte Netzwerk des Bundestages mit all seinen Parlamentariern!

Wir sind also angegriffen worden und dabei wurden wir kalt erwischt. Das ist nichts Ehrenrühriges, denn solche Netzwerke sind schwer zu verteidigen. Auch dass man das Ausmaß unter den Teppich kehren will, ist verständlich.

Aber dass man sich darüber streitet, ob man die Hilfe des BSI oder des eigenen Geheimdienstes annehmen kann, wo doch damit die Trennung zwischen Legislative und Exekutive eventuell verletzt werden könnte – das schlägt dem Fass den Boden aus!

“#Hackerangriff auf Bundestag zeigt: wir sind nicht reif für eine digitale Gesellschaft.“

Twittern WhatsApp

Nur weil man die vom Hacker-Tsunami zerstörten Landstriche nicht physisch sehen kann, und weil man die Kontamination der korrumpierten Daten nicht in Siewert messen kann wie in Fukushima – nur deswegen weil es offenbar keiner begreifen will und kann was da gerade passiert und passiert ist – nur aus diesen ganzen unverständlichen Gründen hat kein denkender Mensch und Parlamentarier das Recht, sein Hirn auszuschalten und zu streiten.

Google, Facebook und Co. dürfen uns jeden Tag unsere Datensouveränität rauben. Nur weil wir das in gewisser Weise akzeptieren, dürfen wir noch lange nicht zulassen, dass wir als Staat und als ganze Gesellschaft von fremden Mächten angegriffen werden und wir es dann nicht schaffen, uns auf einen gemeinsamen Plan zur Reaktion und Gegenwehr zu einigen. Wenn wir das in dieser ernsten Situation nicht schaffen, dann werden wir uns weder als Gesellschaft noch als Individuum unsere digitale Souveränität zurückerobern können.

"Wir sind noch nicht reif für eine digitale Gesellschaft"