So nicht: Was männliche Seilschaften von weiblicher Kontaktpflege lernen können

So nicht: Was männliche Seilschaften von weiblicher Kontaktpflege lernen können

Kommunikation 3 min. Lesezeit
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Christiane Wolff Expertin für Unternehmenskommunikation

Seit letzter Woche ist der FIFAgate DAS Thema in allen Medien. Neben allen Kommentaren, die es dazu bereits gab und gibt – von Korruption bis Machtgehabe, von Bestechung bis Schmiergeld habe ich mich gefragt: Was bedeutet die aktuelle Diskussion um dieses unheimliche Gebilde für das Thema Netzwerken? Funktionieren die alten Seilschaften, Old Boys Clubs und Vereine weiterhin oder hat das Machtgehabe nun endlich ein Ende? Ein Anfang ist zumindest gemacht und lässt ein wenig Hoffnung aufkommen: Am Mittwoch letzter Woche ist Sepp Blatter zurückgetreten.

Schauen wir uns das Netzwerk oder besser System FIFA einmal genauer an. Von 1998 bis Mitte letzter Woche war Blatter der Strippenzieher der FIFA, eines schweizerischen Vereins mit faktischer Monopolstellung, wenn es um das Thema Fußball geht. Sepp Blatter zeichnete in seiner Position gottähnlich verantwortlich für Sommermärchen und zauberte mit der Unterstützung von sechs Kontinentalverbänden und 209 Landesverbänden Fußballwettbewerbe wie die Fußballweltmeisterschaften für Frauen und Männer. Er war also verantwortlich für die wichtigste Nebensache der Welt der meisten der (männlichen) Erdbewohner.

Die Monopolstellung der FIFA ist auch verantwortlich für den schier nicht enden wollenden Geldfluss: Im letzten Finanzbericht 2014 (Periode 2011 bis 2014) weist die FIFA einen Einnahmenrekord von 5,7 Milliarden US-Dollar aus. Den größten Anteil haben die Erlöse aus der Vermarktung der Fernseh- und Marketingrechte. 630 Millionen Erträge stammen aus Fernsehrechten, 423 Millionen aus Marketingrechten. Der Verein ist so mächtig und einflussreich, dass das Endspiel der übernächsten Fußball-WM sogar am vierten Advent in der Wüste ausgetragen wird!

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Was sind (vielleicht zukünftig dann „waren“) die Zutaten für Blatters so sagenhaft erfolgreich funktionierenden Männerverein? Man nehme ein globales und hoch emotionales Thema, baut sich eine unangreifbare Organisation auf, die wie eine Familie zusammenhält, von Compliance Regeln noch nie gehört hat und agiert gottgleich und so als ob es weder Fairness noch Respekt gibt. Und macht sich so bis auf wenige Gegenstimmen aus Europa weiterhin unantastbar und nicht angreifbar. Scheinbar niemand kann oder will das System FIFA aktuell stoppen oder ändern – weder Fans noch Sponsoren. Und die Familie wird’s dann auch nicht richten. Warum auch? Der Erfolg gab ihnen ja bis vor Kurzem recht…

Warum etwas ändern? Weil Netzwerken heute anders geht und anders gehen muss. Und wir müssen und sollten diesen Old School Seilschaften etwas entgegen setzen. Warum? Weil wir gelernt haben, wie faire und respektvolle Kommunikation funktioniert und das modernes Netzwerken ein ausgewogenes Geben und Nehmen ist. Weil wir offen, ehrlich und authentisch sein wollen und wir uns den Werten der Gesellschaft auch im Business verpflichtet fühlen.

Als Gegenentwurf zu den sogenannten Old Boys Networks – von studentischen Verbindungen bis zur FIFA – gibt es seit vielen Jahren zahlreiche Frauen-Netzwerke. Und in deren Statuten und auch im regelmäßigen Austausch mit den Mitgliedern in den Netzwerken werden diese Werte gelebt. In Deutschland gibt es Frauen-Netzwerke für die unterschiedlichsten Interessen. Angefangen von Branchennetzwerken für JournalistinnenFrauen der Buchbranche, den Bereich Werbung und Verkauf im W&V Frauen-Netzwerk oder das Nettwerk für Frauen aus der Kommunikationsbranche bis zu branchenübergreifenden Netzwerken wie den Woman’s Business Club, Online-Communities wie www.webgrrls.de oder auch den Verband Deutscher Unternehmerinnen oder den EWMD, wo sich Frauen in Führungspositionen treffen.

Vielleicht mögen Sepp Blatter, sein Nachfolger und seine Anhänger sich bei einem der Frauennetzwerke einmal Anregungen und Tipps holen, wie Netzwerken heute nicht nur funktionieren, sondern dabei dennoch erfolgreich sein kann!

Ersterscheinung auf W&VSo nicht: Was männliche Seilschaften von weiblicher Kontaktpflege lernen können

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