Neue Bezahlmodelle beim Appkauf – der erste Schritt zum individuellen Preis

Neue Bezahlmodelle beim Appkauf – der erste Schritt zum individuellen Preis

Digitalisierung 3 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

„As a Service“-Geschäftsmodelle verbreiten sich immer mehr. Die Idee: man zahlt nutzenabhängig und immer wieder, nämlich genau dann, wenn man den Dienst nutzt. Einfaches Beispiel sind Cloud Speicherdienste wie Dropbox oder iCloud: Wer mehr Speicher nutzt, zahlt auch mehr pro Monat.

Anbieter wie Drive Now oder Car2Go stellen in größeren Städten individuelle Stadtmobilität zur Verfügung. Einfach mit dem Smartphone ein freies Auto suchen, einsteigen und losfahren. Abgerechnet wird nach Nutzungsminuten.

Musikdienste wie Spotify sind „as a Service“-Modelle für den Zugriff auf die Musik dieser Welt. Hier bezahlt man einen monatlichen Festbetrag als Flatrate, egal wie viele Stücke man hört.

Egal ob im Google Play Store oder Apple AppStore: jede App hat ihr festes Preisschild. Gleich ob 0 Euro oder ein anderer Betrag: alle Käufer zahlen einen Preis.

Zwei Unternehmen haben sich jetzt getraut, diesen Grundsatz zu durchbrechen:

Die Flirt-App Tinder hat mit ihrem Update Anfang März kostenpflichtige Funktionen eingeführt. Abhängig von Alter (die Grenze liegt bei 28 Jahren) und verwendetem Betriebssystem sollen die Nutzer nun zwischen 1,99 und 19,99 Euro monatlich zahlen. Ist der Nutzen der App für Singles über 28 Jahre also größer als für jüngere Nutzer? Oder gehen die Macher davon aus, dass die finanziellen Möglichkeiten oder einfach die Not der älteren Zielgruppe größer ist?

“Neue #Bezahlmodelle beim Appkauf: und wenn jeder zahlt, was er will?“

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Das IOS Spiel Okay offeriert etwas Anderes: Der Nutzer kann wählen, ob er 0 Euro, 1 Euro oder sogar 9 Euro für die App bezahlt. Jeder bestimmt also seinen Nutzen selbst und entscheidet, wieviel ihm das Spiel wert ist. Ein interessanter Ansatz, der sich aber nicht auf viele Produkte übertragen lässt. Und diese Nische nutzt sich bei uns Verbrauchern vermutlich schnell ab, wenn diese Bezahlart öfter angeboten wird.

Bisher gilt beim Preisrecht im Supermarkt genau wie im AppStore, dass wir alle gleich sind. Mit der digitalen Technik wäre es schon seit ein paar Jahren möglich, uns individuelle Preise anzubieten. Ein spannender Ansatz! Aber auch befremdlich, wenn wir nicht mehr alle gleich sind. Klar, wenn es um Vorteile geht, will jeder in der ersten Reihe stehen. Aber wohin führt uns das als Gesellschaft?

Versicherungen haben hier schon einen Erfahrungsvorsprung. Wer kennt nicht die tausend Fragen bei der Autoversicherung: Mit oder ohne Garage; nur ein Fahrer oder die ganze Familie?

Die Allianz bietet in der Krankenversicherung nun einen Gesundheitstarif an, bei dem man Vergünstigungen erhält, wenn man seine Fitnesstracker-Daten an die Versicherung sendet.

Solange der Nutzen eines Diensts nicht nachvollziehbar von einem oder wenigen Kostentreibern abgängig ist, werden wir Verbraucher hoffentlich rebellieren: wieso sollte der eine mehr und der andere weniger bezahlen? Bisher schützen uns dabei auch Staat und Verbraucher-Organisationen. Hoffentlich ist allen klar, was für einen wichtigen gesellschaftlichen Grundsatz wir aufgeben würden, wenn wir im Geschäft nicht mehr alle dasselbe bezahlen dürfen/müssen!

Dieser Artikel ist am 17.03.2015 auch in meiner Kolumne in der Print- Ausgabe von Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung auf der Vernetzt-Seite (Seite 27) erschienen.

 

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