Der Trend zur Transparenz und das Luxussegment

Der Trend zur Transparenz und das Luxussegment

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Michael Sandvoss Experte für Luxus und Lifestyle

Dass die Digitalisierung unser aller Leben gravierend verändert hat und auch zukünftig eine immer größere Rolle in der gesellschaftlichen Werteentwicklung spielen wird, steht außer Frage. Eine Folge: Jeder hat die Möglichkeit, selbst Inhalte zu publizieren und Themen aus seiner Perspektive zu beleuchten. Diese Entwicklung in Kombination mit der enormen Zunahme der – öffentlichen – Kommunikation zieht eine einfache Konsequenz nach sich: Je transparenter ein Unternehmen kommuniziert und sich darstellt, desto besser stehen die Chancen, dass es von den Kunden positiv gesehen und aufgenommen wird.

Vor allem guten Geschichten, Hintergründen und umfassenden Informationen zu Produkten – heute unter dem Schlagwort des Storytellings zusammengefasst – haben wir es zu verdanken, dass sich das Interesse der Kunden an Unternehmen und deren Arbeitsweise drastisch erhöht hat. Der Kunde erwartet diese unterhaltsamen, spannenden und glaubwürdigen Geschichten, um Einblicke in Unternehmen, Abläufe, Produktionsketten und -prozesse zu bekommen.

Gute Geschichten an sich sind jedoch kein Selbstzweck, sondern sollten dem Ziel dienen, den wachsenden Wissensdurst der Kunden zu befriedigen. Dieser speist sich nicht nur aus Neugier, sondern auch aus dem – ebenfalls wachsenden – Bewusstsein und Interesse der Kunden an fairen und nachhaltigen Produktionsbedingungen, Liefer- und Herstellungsketten.

Für Unternehmen bedeutet das, durch Transparenz und Darstellung ethischer Produktionsketten die heute unbezahlbare Währung des Vertrauens nutzbar zu machen und eine tragfähige Beziehung zu den Kunden herzustellen. Denn in Zeiten der Digitalisierung bedeutet Luxus nicht länger “nur” ein wertvolles Produkt in den Händen zu halten, Luxus ist LÄNGST um eine ideelle Komponente reicher geworden: In Zeiten, in denen Fairtrade und Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung gewinnen, bedeutet Luxus auch, den Werdegang seines Produkts zu kennen, um dieses mit gutem Gewissen genießen zu können.

Transparenz als Chance für Luxusmarken

Luxusprodukte definieren sich nicht nur über den materiellen Wert, sondern heute immer stärker über eine Vielzahl anderer Eigenschaften und Merkmale. Dazu gehören:

  • Nachhaltige, ethisch korrekte und auf Fairtrade ausgelegte Produktion.
  • Kreativität, Design und eine klare Botschaft, die durch das Produkt vermittelt wird. Dieser im Grunde alte Trend gewinnt durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten enorm an Bedeutung.
  • Die Geschichte und Entstehung des Produkts, die sich heute medial hervorragend aufbereiten lässt

Dank Transparenz durch Digitalisierung können sich Luxushersteller und -marken heutzutage noch deutlicher von Durchschnittsprodukten absetzen und somit den Wert der eigenen Ware und Marke erhöhen.

Die französische Marke Hermés geht mit gutem Beispiel voran. Sie zeigt, wie der Trend zur Transparenz in der Unternehmenskommunikation aufgegriffen und die Erwartungen der Kunden bedient werden können: Marken im Luxussegment können ihre Kunden mit glaubwürdigen, bewegenden und echten Geschichten nicht nur enger an sich binden, sondern auch den Wert ihrer Produkte und Marke steigern. Hermés ist sich der Bedeutung von Transparenz und der wichtigen Markeneigenschaften bewusst. So schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite:

“Die Authentizität jedes Produkts äußert sich insbesondere durch den Respekt gegenüber unseren natürlichen Rohstoffen und der Entwicklung handwerklichen Savoir-faires hauptsächlich in Frankreich. Die in einer Charta festgehaltene Unternehmensphilosophie bereichert die Beziehungen von Hermès zu seinen Mitarbeitern, Zulieferern, Kunden und Aktionären.”

Auch der Luxuskonzern Kering hat sich insbesondere mit Stella Mc Cartney einen sehr hohen Nachhatltigkeitsstandard verordnet.

Das Organic-Label armedangels hat diesen Weg seinem Erfolg zu verdanken. Die nachhaltig produzierten Kleidungsstücke werden im Onlineshop nicht nur verkauft, auch ihre Entstehungsgeschichte und die Hintergründe der Produktion werden durch Videos, Fotos und Beiträge dargestellt. Das schafft Transparenz und Vertrauen.

Transparenz auch in der Unternehmensführung

Die Möglichkeiten, welche sich Luxusherstellern durch Transparenz bieten, zeigen sich auch in der Geschäftsführung eines Unternehmens. Managementautor Reinhard Spenger bringt es in einem Artikel auf Karriere.de auf den Punkt:

„Je künstlicher unsere Welt wird, desto stärker wird der Kult des Authentischen, des Greifbaren gepflegt. Dazu gehört auch, Privates öffentlich zu machen.“

Diese Transparenz und Offenheit stärkt – im richtigen Maß betrieben – die Position und Glaubwürdigkeit der Führungskräfte und Manager. Richtig dosiert wirkt sich die so verbesserte Position auch positiv auf das Unternehmen und die Marke(n) des Unternehmens aus.

Ein oft vernachlässigter Aspekt: Die Transparenz sollte sich nicht nur auf die Produkte, sondern auch auf die dahinterstehenden Menschen beziehen. Dabei geht es nicht nur darum, Marken Gesichter und menschliche Eigenschaften zu verleihen. Viel mehr ist es sinnvoll und im Sinne der Transparenz wichtig, auch die an der Produktion und Gestaltung von Luxusprodukten beteiligten Menschen zu Wort kommen zu lassen. So lassen sich authentische und neue Perspektiven eröffnen.

“Der Trend zur Transparenz und das Luxussegment“

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Schlussfolgernd kann also noch einmal betont werden: Achten Hersteller und Marken im Luxus- und Lifestylesegment kontinuierlich darauf, dass sie durch transparente Kommunikation und die entsprechenden Geschichten zu ihren Produkten Vertrauen schaffen, werden ihre Marke und die Umwelt davon profitieren.

Vertrauen ist einer der wichtigsten Währungen im Zeitalter der Digitalisierung. Es lohnt sich am Ende für alle, in diese Währung zu investieren und transparent zu kommunizieren.

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