The mysterious Munich man

The mysterious Munich man

Kommunikation 3 min. Lesezeit
Profilfoto von Christiane Wolff Expertin für PR und Öffentlichkeitsarbeit
Christiane Wolff Expertin für Unternehmenskommunikation

Es sieht aus wie eine düstere Bahnhofsvorhalle. Einen Sitzplatz bekommt nur, wer reserviert hat oder wer ganz oben auf der Liste steht in der Welt der Wichtigen und Schönen. Dennoch sind alle da. Ab einem bestimmten Alter trifft man sich in München im Schumanns. Ab 40 ist es der Place to go. Und ehrlich gesagt: Ich gehöre manchmal auch dazu. Es gibt leider auch nicht allzu viele Alternativen in München, wo ich Menschen in meinem Alter finde, die gerne einfach nur ein Getränk zu sich nehmen, sich gut unterhalten möchten und nicht in einer Boazn landen möchten (so heißen Bierkneipen in München). Also lande auch ich doch relativ regelmäßig und gefühlt viel zu oft „beim Charles“, wie die Eingeweihten es nennen. Ich kenne ihn nicht und darf ich mich umso mehr freuen, wenn ich ab und an doch von ihm beachtet und ein leichtes Zunicken erhasche.

Zum Phänomen Charles Schuhmann wurde schon genug geschrieben, da möchte ich mich nicht noch einreihen. Aber er macht Vieles richtig: Er ist da. Morgens in der Schumanns Tagesbar, abends im Schumanns am Odeonsplatz. Ein Restaurant, ein Café, eine Bar… sie leben vom Mythos, von der Magie dieses Menschen. Und bei Charles Schuhmann ist es sicher eine Kombination aus Unnahbarkeit, Medienpräsenz und doch auch seiner charismatischen Erscheinung, die Menschen aus München und der ganzen Welt seit Jahren immer wieder ins Schumann lockt. Das war jetzt doch eine relativ lange Intro für mein eigentliches Thema.

Wenn ich im Schumanns bin – und wie gesagt, das passiert ab und an – gibt es einen Herren, der neben Charles Schumann auch IMMER da ist. Und mich verwirrt. Denn: Er steht alleine am mit einem dunkelroten Tuch abgedeckten Flügel. Und steht da. Und steht da. Alleine. Mit einem Bier als scheinbar einzigem Freund. Und alle, mit denen ich ins Schumanns gehe, kennen ihn exakt so. Alleine. Am Flügel. Ohne die Miene zu verziehen verharrt er dort. Menschen kommen, Menschen gehen, der Mann am Piano bleibt. Alleine. Er trägt einen unauffällig grauen Anzug, gefühlt immer, eine Brille, graues Haar und fällt nicht auf, nur sein ständiges Nichtauffallen macht ihn auffällig.

Seitdem ich im Nachtleben unterwegs bin denke ich, wie schön es auch als Frau manchmal sein könnte, sich nach einem Abend in einer fremden Stadt oder auch in München alleine an eine Bartheke stellen. Ohne das Gefühl haben zu müssen, dass alle drumherum denken: „Die sucht doch nur Anschluss.“ Frauen alleine an der Bar oder im Club – das geht gesellschaftlich auch heute scheinbar noch nicht, oder? Tagsüber haben wir uns unseren Platz schon erkämpft, aber ich habe das Gefühl, dass es abends noch unpassend ist, sich alleine zu zeigen. Und wir Businessfrauen, die viel unterwegs sind, bleiben dann doch lieber im Hotelzimmer. Schade eigentlich. Daran denke ich manchmal, wenn ich the mysterious Munich man sehe.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Gehen Sie in einer fremden oder auch in der eigenen Stadt allein in die Bar? Trauen sie sich?

"The mysterious Munich man"