Programmier-Apps für Kinder: mit dem iPad fit für die Zukunft?!

Programmier-Apps für Kinder: mit dem iPad fit für die Zukunft?!

Digitalisierung 3 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Viele Eltern stellen sich die Frage: können und sollen Kinder von 8 bis 12 Jahren mit dem Computer und Tablet schon etwas Sinnvolles machen? Die meisten Eltern sind froh, wenn sie ein paar Apps als Alternative zu den vielen süchtig machenden Spielen finden.

Doch viele als Kinder-Apps verkaufte interaktive Lern- und Nachschlage-Werke sind letztlich nur mediale Übersetzungen von traditionellen Methoden. Ob diese für den Nachwuchs sinnvoll sind, muss jeder selber entscheiden. Ahnung von Computern oder Technologie bekommt man durch ihre Nutzung jedoch nicht! Das Argument zieht also weder von Kinder- noch von Elternseite.

Wer seinen Kindern mehr bieten will, hat es schon schwerer. Denn Apps, die Kinder erfolgreich in Algorithmisches Denken einführen, ohne dass die Eltern halbe Computer-Experten sein müssen, sind noch rar. Einige davon für das iPad habe ich (als unrepräsentative Auflistung) zusammengetragen:

Eine der wenigen deutschsprachigen Apps ist Robertas Roboter. Sie gibt eine Einführung in das Binärsystem mit einfachen Erklärungen, den Roboter kann man mit Richtungsbefehlen ein wenig steuern. Eine nette Hinführung für Kinder ab 9 Jahren, mit der direkt klar wird, dass ein Computer immer nur Befehle ausführt.

In der gleichen Liga spielt das englisch-sprachige Move the turtle. Die App basiert auf der Programmiersprache Logo, die schon in den 1970er Jahren entwickelt wurde, um Kindern Computer näher zu bringen noch bevor sich diese per Maus steuern ließen.

Cargo-Bot ist ein algorithmisches Spiel, mit dem man Bedingungen, Schleifen und Rekursion spielerisch erfassen und erlernen kann und so einen Roboter Kisten stapeln lässt. Toll ist die didaktische Aufarbeitung in ein Spiel mit den typischen Leveln. Das verwendete Englisch ist für Kinder nach der 5. Klasse zu bewältigen; die Aufgaben erfordern ein gewisses Tüftler-Interesse.

Scratch jr ermöglicht Einblicke in die Programmiersprache Scratch auf einem iPad. Die App bietet eine Menge Möglichkeiten, das Ziel ist aber nicht klar umrissen, da man sich selber Aufgaben stellen muss. Hilfe und Begleitung durch einen (kundigen) Erwachsenen sind also klar von Vorteil.

Die beiden Apps Hopscotch und Cato´s Hike sind für Kinder bis 12 Jahren schon die Königsdisziplin: die englischen Tutorials sind nicht ganz einfach zu verstehen und beim Ziel, selber Animationen oder Spiele zu entwickeln, ist die Mächtigkeit der Spielwelten so groß, dass es einer Begleitung und Lenkung der Kinder bedarf.

Workflow ist zwar keine Lernapplikation, passt aber hier gut: Mit der App kann man in grafischer Form und ganz ohne Programmierkenntnisse kleine Abläufe auf dem iPad optimieren und die einzelnen Schritte dann automatisch ablaufen lassen. Schön ist die Austauschplattform des Herstellers, auf der man die Code-Schnipsel mit anderen teilen kann und damit auf neue Ideen kommt.

Also Eltern – nur Mut! “Software is eating the world” (alles wird in Zukunft mit Software gesteuert) wissen wir seit 2011 vom Multi-Investor Marc Andreessen. Da kann ein Einblick in Algorithmisches Denken auf keinen Fall schaden! Und auch nicht die Erkenntnis, dass die IT-Welt englisch spricht.

Dieser Artikel erscheint heute auch in meiner Kolumne in der Print- Ausgabe von Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung auf der Vernetzt-Seite (Seite 27).

 

"Programmier-Apps für Kinder: mit dem iPad fit für die Zukunft?!"