Die Kunst der strukturierten Individualität

Die Kunst der strukturierten Individualität

Finanzen & Wirtschaft 3 min. Lesezeit
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Roger Studer Anlage- und Finanzexperte

Ein Produkt wird allgemein als gut erachtet, wenn es in der Lage ist, einzelne Kundenerwartungen zu erfüllen. Vielfältig sind dabei die Bedürfnisse in Bezug auf Finanzprodukte, denn sie werden von unterschiedlichen Anlagezielen, Marktmeinungen und Risikoneigungen geprägt. Strukturierte Produkte können diese individuellen Anforderungen so gut abbilden, wie keine andere Anlage. Möglich macht es die Finanzmathematik, mit der sich einzelne Risikokomponenten wie Bausteine so miteinander kombinieren lassen, dass sie je nach Zusammensetzung das gewünschte Auszahlungsprofil formen. Die Kombinationsmöglichkeiten sind ebenso vielfältig wie die Anlagebedürfnisse der Kunden und so ist das Angebot von strukturierten Produkten im Laufe der Zeit sehr gross und umfassend geworden.

Um strukturierte Produkte herzustellen, benötigen wir finanzmathematische Modelle; sie bilden die Grundlage für die Berechnung und das Risikomanagement. Während der Schwerpunkt vor wenigen Jahren noch auf dem massentauglichen Produktevertrieb lag, besteht heute die Forderung nach einer optimalen Passgenauigkeit. Gemeint sind individuelle, auf das Portfolio zugeschnittene Lösungen. Der heutige Qualitätsanspruch umfasst jedoch weitere nutzenstiftende Aspekte. So haben eine sofortige Verfügbarkeit, die Möglichkeit des einfachen und schnellen Produktevergleichs, eine zu jeder Zeit bestehende Transparenz im Hinblick auf das Risiko, den Preis und die Leistung sowie zusätzliche umfassende Serviceangebote Einzug in das Bewusstsein von Investoren erhalten. Zunächst war die „Einzelanfertigung“ von strukturierten Produkten für kleinere Volumen vergleichsweise ineffizient und teuer und die Kunst ihrer Herstellung lag deshalb darin, „Individualität massentauglich zu machen“. Durch Skaleneffekte sollten die Kosten sinken, ohne Einbussen bei der Qualität hinzunehmen. Folglich bestanden die Herausforderungen in einem schnelleren Datenfluss, der zielgerichteten Verarbeitung grosser Datenmengen sowie einer unmittelbaren Berechnung der passgenauen Produkte.

Die Investition in Know-how und entsprechende Technologien machte es schliesslich möglich, denn Arbeitsprozesse lassen sich dank leistungsstarker IT-Systeme beschleunigen. Gleich hunderte verschiedene strukturierte Produkte und ihre Einzelkomponenten können heute von nur wenigen Personen in kürzester Zeit effizient produziert, gemanagt und überwacht werden. Wo früher zeitraubende manuelle Teilprozesse mit anfälligen Schnittstellen Anwendung fanden, werden Fehlerquellen dank eines hohen Automatisierungsgrades nun auf ein Minimum reduziert. Doch auch der Gebrauch einer leistungsstarken Infrastruktur genügt künftig nicht mehr, um die steigende Last komplexer Berechnungen zu bewältigen. Um dem gestiegenen Qualitätsbedürfnis nachhaltig zu begegnen, muss sich der Produktionsprozess – wie ein strukturiertes Produkt – flexibel gestalten lassen.

So brauchen wir künftig mehr als nur ein gutes Produktkonzept und eine leistungsstarke Technologie. Der neue „individuelle Standard“ erfordert auch einen innovativen Herstellungsprozess – dies betrifft die Art und Weise, wie wir unsere leistungsstarke Infrastruktur nutzen. Wir brauchen dienstleistungsorientierte IT-Konzepte, die sich je nach Bedarf an- oder ausschalten und mit denen sich Auslastungen flexibel auf andere Einheiten umverteilen lassen. So können wir Kapazitäten erhöhen und die Kosten gleichzeitig senken. Der Herstellungsprozess wird zudem robuster und die Produktqualität nachhaltiger.

Dies ist für Vontobel die wahre Kunst, ein strukturiertes Produkt herzustellen. Und innovative Produktionskonzepte eröffnen weitere Chancen – Möglichkeiten, an die bislang niemand gedacht hat.

"Die Kunst der strukturierten Individualität"