Big Data: JA – aber vorher müssen wir als Gesellschaft umdenken!

Big Data: JA – aber vorher müssen wir als Gesellschaft umdenken!

Digitalisierung 2 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Yvonne Hofstetters Buch “Sie wissen alles” hat mich direkt in seinen Bann gezogen, weil man als Leser spürt, wie tief die Autorin in diese Thematik involviert ist. Sie war selbst jahrelang Teil großer militärischer und finanzwirtschaftlicher Big Data-Projekte. Nun setzt sich Yvonne Hofstetter mit den Folgen auseinander und versucht, all das Erlebte für sich selber und für andere – ihre Leser – zu ordnen.

Ihre Einblicke in Zusammenhänge, Geldströme und Ursprünge von deutschen Big Data-Projekten machen insofern Mut, da deutlich wird, dass in unserem Land der Zauderer und Zögerer nicht immer alles hinter den übermächtigen USA und den turbokapitalistischen Einflüssen hinterher trottet: Auch in Deutschland und Europa gibt es wichtige Theoretiker und Praktiker, die relevante mathematische Modelle erschaffen und die Monster dann auch von der Leine, also in unser aller Leben, entlassen.

Frau Hofstetters persönliches Hadern mit ihren Erfahrungen aus den letzten Jahren ist deutlich spürbar. Doch im vorletzten Kapitel “Diktatur” wird klar, was im Titel schon anklingt: Es geht in diesem Buch nicht nur um die fatalen und negativen Folgen von Big Data für uns alle, sondern auch um die persönlichen Einsichten und Schlussfolgerungen einer Person, die intensiv hinter Vorhänge und in Abgründe geschaut hat.

Zum Glück ist Yvonne Hofstetter nicht in ihren Erfahrungen und Erkenntnissen gefangen, sondern sie nutzt ihr tiefes Verständnis der gesamten gesellschaftlichen Situation für einen ersten 10-Punkte Plan. Eine Mischung aus Tipps für den eigenen Hausgebrauch im Big Data Minenland sowie gesellschaftlichen und politischen Handlungsempfehlungen.

Als Leser spürt man dabei den Willen einer Unternehmerin, die sich nicht damit abfinden kann und will, dass von Menschen erschaffene Monster-Algorithmen nicht auch von Menschen in sinnvoller Weise gezähmt, verwaltet, und vielleicht sogar positiv eingesetzt und damit genutzt werden können. Damit zeigt sie eine Perspektive auf, die bei den angesagten Digital-Skeptikern meist zu kurz kommt.

Es wäre für uns alle beruhigend und auch für unsere Weiterentwicklung im Umgang mit Big Data förderlich, gäbe es mehr Menschen mit diesem Erfahrungsschatz gepaart mit ethischen Vorstellungen und dem Willen zur positiven Veränderung!

 

Yvonne Hofstetter
Sie wissen alles: Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen
C. Bertelsmann Verlag, 352 Seiten, 19,99 Euro
Kindle Ausgabe 15,99 Euro

"Big Data: JA – aber vorher müssen wir als Gesellschaft umdenken!"