Ein simples und praktikables Modell für die eigene Produktentwicklung

Ein simples und praktikables Modell für die eigene Produktentwicklung

Digitalisierung 2 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

“Hooked: How to Build Habit-Forming Products” erscheint nächste Woche endlich auf Deutsch und wird damit erfreulicherweise einem größeren Leserkreis zugänglich. Von mir gibt es schon heute eine Leseempfehlung!

Nir Eyal beschäftigt sich in seinem Buch mit der Fragestellung, wieso wir an bestimmten Apps, Webseiten und Spielen “kleben bleiben” und an anderen nicht. Herausgekommen ist ein nachvollziehbares Modell zur Einordnung und Klassifizierung von eigenen und fremden Geschäfts-Ideen. Das englische Wort “hooked” bringt es mit seiner doppelten Bedeutung “hakenförmig” und “total begeistert” genau auf den Punkt: Wir beißen an, schlucken den Haken und “bleiben kleben”: wir machen uns ein Produkt zur eigenen Gewohnheit. Die Einzelmotive können dabei so unterschiedlich sein wie wir Menschen. Gewonnen hat ein Anbieter erst ‘mal, wenn wir uns die Nutzung seines Services zur Gewohnheit gemacht haben wie die morgendliche Zeitungslektüre, das Zähneputzen oder das Einschalten des Radios im Auto.

Ich sehe drei Zielgruppen für das Buch:

  • Menschen, die eigene Apps und Dienste entwickeln (wollen), und eine systematische Herangehensweise und ein Prüfmodell für geplante Funktionen suchen;
  • Menschen, die verstehen wollen, wie die Mechanismen funktionieren, mit denen uns Facebook, ElectronicArts, Twitter oder Instagramm an ihre Dienste und Apps binden; und
  • Menschen, die Spaß daran haben, sich mit anderen über solche Mechanismen auszutauschen und dafür eine Systematik suchen, die einen strukturierten Austausch mit anderen ermöglicht.

Eyal zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild, als das Hype Wort Gamification ermöglicht. Klar, das ist nicht alles revolutionär neu, und es sind sicherlich auch keine noch nie dagewesenen Ideen und Gedanken. Aber wer so an diese Erläuterungen heran geht, hat das eigentlich Faszinierende noch nicht ganz begriffen: Das Besondere an Eyals Gedankenwelt sind die wenigen Elemente, mit denen er sein Modell erklärt:

  • Auslöser für unser Verhalten
  • Unsere eigene Aktion
  • Erhalt einer variablen Belohnung
  • Unser eigenes Investment

Was nützen einem gigantische Studien, differenzierte Abhandlungen und komplexe Konzepte, die immer nur im Nachhinein den Erfolg oder Misserfolg einer App, eines neuen Dienstes oder einer Geschäftsidee erklären können?! Für die Lean Startup Welt benötigen wir einfache Modelle, mit denen wir mehrere Szenarien durchgehen können und über die wir uns auch mit anderen austauschen können. Das bringt die gewünschte und notwendige Agilität und Geschwindigkeit in das Ausprobieren und Umsetzen neuer Geschäftsideen.

Genau das leistet “Hooked” und zwar in einfacher, verständlicher Sprache (zumindest, was das englische Original betrifft). Wer sich bei einer der Zielgruppen angesprochen fühlt: Einfach kaufen und ausprobieren!

Nir Eyal
Hooked: Wie Sie Produkte erschaffen, die süchtig machen
Redline Verlag (12. September 2014), 208 Seiten, 19,99 Euro
Kindle Ausgabe 15,99 Euro
Englische Ausgabe:  Hooked: How to Build Habit-Forming Products 14,25 Euro

"Ein simples und praktikables Modell für die eigene Produktentwicklung"