Das Internet und die Autobahn

Das Internet und die Autobahn

Digitalisierung 3 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Das Bild des Internets als Datenautobahn wird in der öffentlichen Diskussion gerne benutzt. Dabei geht es meistens um den Schwerpunkt Geschwindigkeit und die Diskussion über den Breitbandausbau. Es gibt jedoch noch weitere Parallelen zwischen diesen beiden „Verkehrsnetzen“, die wir uns viel häufiger bewusst machen sollten:

  • Wenn wir das Bewusstsein dafür wecken wollen, dass das Internet eine wichtige Infrastruktur- Ressource ist.
  • Wenn wir uns fragen, warum sich der Politiker Georg Leber in den 1950er Jahren für die deutschen Autobahnen stark gemacht und so viel Geld für deren Ausbau locker gemacht hat. Und warum das heute keiner tut, obwohl es doch um unsere Wettbewerbsfähigkeit geht. Und die Politiker statt dessen probieren, die Investitionen auf die Wirtschaft abzuschieben.
  • Wenn wir uns vor Augen führen, dass die Datenautobahn nichts dafür kann, wenn auf ihr Müll transportiert wird, der uns Menschen schadet.

Und wenn wir diesen einfachen Vergleich noch etwas weiterdenken, können wir unseren Blick für das Gesamtbild dieser Thematik öffnen:

Wir können es wieder so machen wie in den 1950er Jahren und zunächst die Autobahnen bauen, um anschließend die gesellschaftlichen Auswirkungen zu bemerken. – Obwohl die ein oder andere doch vorher absehbar war:

  • Der Lärm, der die Menschen, die in der Nähe der Autobahnen wohnen, krank macht.
  • Die Schneisen, die Autobahnen in unsere Landschaften schneiden und damit Lebensräume von Mensch und Tier zerstören.
  • Die Umweltverschmutzung, die von den Autos ausgeht, für die diese Autobahnen gebaut wurden.

Und erst danach fangen wir an, Lärmschutzwände zu bauen, Brücken für Tiere zu errichten und den CO2- Ausstoß zu verringern. Dann, wenn es zu spät ist. – Dann, wenn wir nur noch an den Folgen herumdoktern können und nicht mehr an den Ursachen.

Wir sollten uns also Gedanken machen, ob wir erst die Autobahnen und dann die Lärmschutzwände bauen, oder ob wir versuchen, in der Digitalen Welt einen Schritt zu überspringen.

Überspringen würde bedeuten, dass wir ein paar Fehler gar nicht erst machen und damit auch nicht im zweiten Schritt korrigieren und reparieren müssen: Indem wir uns  – um beim Beispiel Auto zu bleiben – also mit Elektroautos, Car-Sharing und Integration von Individual- und Öffentlichem Verkehr von Anfang an beschäftigen.

Doch die ernüchternde Erkenntnis lautet: anscheinend können wir Menschen das nicht!

  • Wir müssen erst ein paar Jahre lang Firmen wie Google und Facebook für deren Erfolg bewundern, und sogar zunächst dankbar sein für die vielen tollen kostenlosen Werkzeuge, bevor wir merken, was diese Unternehmen wirklich mit unseren Daten – und damit mit uns – machen.
  • Wir müssen erst unsere Demokratie aufgeben, um zu sehen wie schön es war, bevor wir wussten, dass uns die NSA und viele andere Geheimdienste und Unternehmen totalitär bespitzeln und überwachen.
  • Wir müssen erst den Anti-Digital-Fanatikern genügend Argumente liefern, damit sie sich lautstark wünschen können, wir sollten wieder auf den Bäumen hocken. (Übrigens wollten das die Grünen auch mal. – Damals: lange bevor sie das erste Mal an die Macht gekommen und inzwischen zu unserem ökologischen Gewissen geworden sind)

Dabei wäre es doch schön, wenn wir diesmal keine Lärmschutzwände bauen müssten, sondern in der Digitalen Welt direkt bis zum Kern vordringen könnten. Denn so könnten wir gemeinsam eine digitale Welt aufbauen, die uns Menschen mehr nutzt als schadet!

"Das Internet und die Autobahn"