Brand eins, Best Brands und die Frauenfrage

Brand eins, Best Brands und die Frauenfrage

Kommunikation 3 min. Lesezeit
Profilfoto von Christiane Wolff Expertin für PR und Öffentlichkeitsarbeit
Christiane Wolff Expertin für Unternehmenskommunikation

„Sie können gern intelligente Frauen vorschlagen“ – mit dieser Aufforderung hat Frank Dahlmann, Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Brand eins, eine wütende Debatte entfacht. W&V Frauen-Netzwerk-Kolumnistin Christiane Wolff kann Dahlmanns Problem (zumindest ein bisschen) verstehen. So tut sich Wolff, Kommunikationschefin bei der Agentur Serviceplan, immer noch schwer, Vorzeigefrauen für Top-Events zu finden.

Ich bin ein großer Fan der Zeitschrift Brand eins. Zwar schaffe ich nicht jede Ausgabe, aber wenn ich die Zeit finde, bin ich meistens begeistert. Die Geschichten sind exzellent geschrieben, inspirieren – sind einfach jede für sich ein Geschenk. Neulich prasselte ein kleiner Shitstorm auf Facebook auf die Zeitschrift ein: Eine Leserinnen merkte an, dass in den letzten Ausgaben so gut wie keine Frau zu Wort kam und über keine einzige Frau berichtet wurde. Die Redaktion entschärfte die soziale Schelte nicht – sondern machte sie leider noch viel schlimmer. Bis sich dann Chefredakteurin Gabriele Fischer mit einem sehr persönlichen Blogartikel zu Wort meldete.

Die Debatte um Brand eins zeigt, dass es immer noch Ideen, Anstrengungen, Mut und vielleicht auch der Quote bedarf, um ein Gleichgewicht der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Schauplätzen zu erreichen. Und wir drehen uns an manchen Stellen einfach weiter in einem unmutigen und unmotivierten Kreis.

Wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen lassen. Bei Serviceplan haben wir zwei sehr große und wichtige Veranstaltungen: Best Brands und den Innovationstag, die beide jährlich stattfinden. Wir suchen hier immer nach weiblichen Rednerinnen, die nicht nur etwas zu sagen haben, sondern auch noch einen am besten über die Grenzen Deutschlands hinaus ragenden Bekanntheitsgrad haben. Und da fallen uns dann auch selbst leider nur in wenigen Fällen zahlreiche Personen ein.

Ich selbst habe vor einigen Jahren mit Regina Mehler die erste Rednerinnenagentur in Deutschland gegründet, die Women Speaker Foundation, um genau diese Lücke zu füllen. Aber auch dort hat uns die Realität rasch eingeholt. Wurde uns um Vorfeld versichert, dass Unternehmen und Veranstalter nach Frauen als Spaeker geradezu lechzen, sah es in der Praxis dann doch anders aus. Am Ende zählten dann doch die großen Namen – ein bekanntes Gesicht wird nun einmal einer spannenden Rednerin vorgezogen. Damit kann man am Ende auch nichts falsch machen. Selbst wenn es ein grottiger Vortrag war – zumindest hat man als Gast einmal DEN bekannten Star gesehen und live erleben dürfen! Und als Veranstalter war man zwar nicht mutig, hat aber die Erwartungen erfüllt.

Ich kann das einerseits gut verstehen, es ist der einfache Weg. Aber muss es und kann es andererseits immer einfach sein, Dinge zu ändern? Klar, es gehört auch Mut der Frauen dazu, die Bühnen der Welt zum betreten. Sei es, im Meeting den Mund aufzumachen oder den großen Auftritt zu suchen. Aber es gehört eben auch auf der anderen Seite Mut und auch Energie auf Seiten der Unternehmen, Medien und auch Veranstalter dazu, Frauen zu ermutigen, ihnen eine Chance zu geben und vielleicht auch mal etwas länger nach einer weiblichen Rednerin, Schreiberin oder Unternehmerin zu suchen.

Nur, wenn wir alle mehr Mut beweisen und nicht immer die einfache, schnelle Lösung suchen, werden wir auch etwas ändern. Und im besten Falle bei brand eins zahlreiche spannende Artikel von und über Frauen lesen und bei best brands auf der Bühne auch mehr weibliche Rednerinnen finden!

Ersterscheinung auf W&V / Brand eins, Best Brands und die Frauenfrage

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