Flexible, nutzenorientierte IT – Papa baut Lego im Büro

Flexible, nutzenorientierte IT – Papa baut Lego im Büro

Digitalisierung 5 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

An den ganzen langen Wochenenden war auch viel Zeit für die Familie, und da haben meine Kids mir mal auf den Zahn gefühlt. Jetzt wissen meine Kinder endlich was ich im Büro mache.

Papa, was machst Du eigentlich im Büro? fragen mich meine Jungs.

Wir bauen für unsere Kunden digitale Geschäftsmodelle auf und betreiben die IT- Systeme dann für unsere Kunden.

Aha – ehrlich? Und wofür bekommt ihr genau das Geld von Euren Kunden?

Ok, jetzt heißt es, die richtige und anschauliche Antwort zu geben:
Wir denken den ganzen Tag darüber nach

  • was man alles aus Bausteinen wie Lego bauen kann, und
  • welche Bausteine uns bzw. den Kunden fehlen, um noch tollere Dinge bauen zu können.

Dann wollen wir mal schauen, wie weit uns dieses Bild trägt:

Dynamische Service Blöcke
Bei Lego ist es klar: Es gibt 2er, 4er, 8er Steine und noch mehr – und alle in vielen Farben. Das Spannende ist, was man daraus machen kann. Aus den Grundsteinen können Häuser, Tiere, Autos entstehen. Der Phantasie scheinen keine Grenzen gesetzt. So kann man auch aus den gleichen Service Blöcken alle nur erdenklichen digitalen Geschäftsmodelle erschaffen. Es kommt halt nur auf die richtige Idee an. Ob das Erschaffene hält und nicht gleich beim ersten Benutzen zusammenfällt, hängt vom Geschick des Architekten und Baumeisters ab. Und wer schon ´mal die mannshohen Clonekrieger oder andere Lego-Figuren in den Spielzeugläden gesehen hat, wird sich auch schon über die Möglichkeiten der Skalierung gewundert haben.

Möglich wird dies durch möglichst universelle Grundformen mit klaren Schnittstellen und klaren Kosten.

Bezahlen nur für Service Blöcke, die man gerade braucht
Das wäre auch in der Lego Welt eine tolle Sache, wenn unsere Kinder nur für die Bausteine bezahlen müssten, die gerade in Gebrauch sind, und man aus einem nahezu unendlichen Pool an Möglichkeiten und Mengen immer die richtigen zum richtigen Zeitpunkt heraussuchen und benutzen könnte!

Das war auch viele Jahre in der IT nicht möglich: Solange die Bausteine der IT noch Software-Lizenzen, Server, Betriebssystem und Netzwerk hießen, musste man für jeden Baustein einzeln bezahlen, egal ob man ihn wirklich benutzte oder nicht. Erst die Weiterentwicklung zu Service- Blöcken aus kleinen standardisierten Bausteinen, die ein wenig Server, ein wenig Software und ein wenig Netzwerk in einem Modul enthalten und die sich dann über standardisierte Schnittstellen zusammenstecken lassen, hat in der IT die neuen Bezahlmodelle ermöglicht.

Hier sind die führenden Unternehmen in der IT schon ein wenig weiter als Lego, aber die Carsharing-Konzepte von DriveNow und Car2Go oder der Stromtarif ohne Grundgebühr von E-wie-einfach sind Beispiele aus anderen Industrien, die uns wirkungsvoll zeigen wohin die Reise geht.

Und dann wirft mein ältester Sohn ein: Aus einem Stormtrooper kann man aber doch nur einen Stormtrooper machen!

Recht hat er! Und hat damit einen wichtigen Punkt aufgedeckt: Wenn man die Service Blöcke zu spezialisiert baut, verlieren sie die Universalität der Nutzbarkeit. Ob man für sein digitales Modell Stormtrooper braucht oder nicht, muss jeder selber entscheiden. Wenn Skalierung und Kosten wichtig sind, dann sollte man besser auf Stormtrooper verzichten!

Erfinden neuer Super- Blöcke aus kleineren Blöcken
Und wenn man einmal einen Bauplan für ein schickes Auto entworfen hat, dann kann man diesen neuen Service-Superblock mit völlig neuen Eigenschaften in Serie gehen lassen. Obwohl sich die Grundbausteine nicht ändern, kann der Superblock in kleinen Bereichen modifiziert und weiterentwickelt werden. Solange sich alle an ein paar Regeln halten, wie z.B. bei Lego die Größenskalierung, kann man auch Baupläne von anderen Kindern übernehmen oder die Baupläne austauschen.

Dafür braucht man als Kind nicht nur das Tüftler-Gen und Ausdauer, sondern am besten auch kommunikative Fähigkeiten. Oder man tut sich mit seiner Schwester zusammen, die zwar nicht so viel Spaß am Lego-Spielen hat,  aber vom Nachbarjungen den Super-Bauplan für ein tolles neues Raumschiff ausleiht, auf den er unendlich stolz ist.

Papa, machst Du deshalb immer so viele Telkos?

Hmm, – Auf jeden Fall ist es unsere Überzeugung, dass immer fähigere Superblöcke in der IT in Zukunft nur entstehen können, wenn man sich mit Partnern und auch mit Kunden über Baupläne austauscht und immer weiter an Optimierungen innerhalb der einzelnen Services tüftelt, möglichst ohne die Schnittstellen zu verändern.

Standardisierung und Skalierung hat neue Ziele
Damit schafft man dann noch etwas anderes, was es in der realen Lego Welt so nicht gibt: Vor 10 Jahren waren die IT-ler froh, wenn sie im ganzen Unternehmen Standards eingeführt haben. Und damit dann der Mengenpreis geringer wurde, hat man das standardisierte Backup ohne Rücksicht auf Verluste auch auf Entwicklungs- und Testmaschinen losgelassen. Das bekommen wir heute in der Welt der Serviceblöcke etwas effizienter hin, weil die Standardisierung kunden- übergreifend erfolgen kann und damit die Serviceelemente keine teuren monolithischen Allzweckwerkzeuge mehr sind, sondern preisoptimierte standardisierte und doch hoch angepasste  Serviceblöcke. Standardisierung und Skalierung bei Serviceblöcken geht also über die Systemgrenzen des eigenen digitalen Geschäftsmodells hinaus.

Aber Papa: Davon habe ich jetzt nix verstanden – das ist doch alles Quatsch: Ihr macht doch was mit Computern, Festplatten und Rechenzentren!

Genau darum geht es: wie es innen drin funktioniert, dass müssen zwar eine Reihe von Kollegen bei synaix wissen, aber die Menschen, die daraus Lösungen bauen, die müssen das nicht mehr im Detail wissen.

Gegenfrage an meine Jungs: Oder wisst Ihr ´was über Kunststoffe, Extruder und Farbechtheit bei Euren Lego- Steinen?

Äh – Nein Papa – wir wollen damit einfach nur eine neue Weltraum-Station aufbauen.

Ok – Mission erfüllt!

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