Warum Facebook eine Meta Netzneutralität verletzt und was das für uns Nutzer bedeutet

Warum Facebook eine Meta Netzneutralität verletzt und was das für uns Nutzer bedeutet

Digitalisierung 3 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Das Facebook Geschäftsmodell scheint auf den ersten Blick ganz in Ordnung zu sein: Marc Zuckerberg stellt uns eine Plattform bereit, auf der wir uns mit Freunden verbinden und mit ihnen Nachrichten, News und sozialen Unfug austauschen können. So bleiben wir auf dem Laufenden, was unsere Bekannten, Freunde und Verwandten gerade bewegt. Ok, vielleicht wissen auch ein paar Leute ein wenig zu viel darüber, was wir selber so machen, aber das ist ein anderes Thema. Und dafür, dass wir das alles umsonst nutzen können, sind wir quasi wohlwollend damit einverstanden, dass Marc ab und zu ein wenig Werbung einstreuen muss. Soweit – so gut.

Leider ist die Realität ein wenig erschreckender:

Das reale Geschäftsmodell von Facebook ist unsere Aufmerksamkeit. Je mehr Aufmerksamkeit wir Facebook “schenken”, also je mehr Zeit wir dort verbringen, desto wertvoller sind wir für Facebook. Wenn unsere Katzenfotos 100.000 Likes bekommen, so ist das erst ´mal gut für Facebook; aber wenn wir zu großzügig mit unseren Freundesbekundungen waren (zu viele Freunde gefunden haben), oder wenn unsere Freunde zu viel von sich geben, dann ist das gefährlich für Facebook. Denn Facebook muss uns genau die richtige Anzahl von Info- Häppchen geben, damit wir unsere Aufmerksamkeitsspanne für das Freunde- Netzwerk maximieren.

Hierfür hat Facebook umfangreiche Algorithmen entwickelt, die das Rauschen der für uns sinnlosen Nachrichten so filtert, dass genau die richtigen Häppchen bei uns ankommen. Und zwischendurch natürlich auch die bezahlte Werbung, die die ganze Plattform schließlich erst ermöglicht.

Facebook entscheidet also, was wir sehen: Besser nicht den viralen, gut gemachten Werbespot, den ein Freund uns zwar empfiehlt, an dem Facebook aber nichts verdienen kann. Und am besten auch nicht die langweiligen hochwertigen Beiträge, die sowieso keiner lesen oder anschauen will. Und ebenso wenig das zehnte Gequake von meinem Freund Harry, der aktuell etwas Lebensordnungsprobleme hat.

Und damit ist Facebook anders als z.B. Twitter: dort geht jede Nachricht über den Äther, nichts wird von Twitter weggefiltert. Ich kann bzw. muss meine Informationsauswahl mit Listen selber organisieren.

Facebook wird damit vergleichbar mit RTL – und leider auch inzwischen ARD und ZDF: Es werden mir als Benutzer nur die Teile der Realität vorgesetzt, die mich am längsten an die Glotze binden.

Nur mit dem Unterschied, dass die Facebook Algorithmen an meiner ganz persönlichen Sicht auf Freunde und Bekannte herumschneiden und damit die Grenze zur echten Manipulation schon längst überschritten haben. Denn wegen der vermeintlichen intimen Nähe ist der Ausschnitts-Filter, der da über unsere Wahrnehmung gelegt wird, so schwer zu erkennen.

(Oder haben Sie sich noch nicht gewundert, warum Sie beim Reinschauen immer eine relativ gleiche Anzahl von Einträgen serviert bekommen, und bestimmte “Freunde” auf einmal nichts mehr zu melden haben?)

Bei Netzprovidern wird fast jeder Angriff auf die Netzneutralität, also den Gleichheitsgrundsatz von IP- Paketen auf Netzwerkebene, argwöhnisch beobachtet und zum Glück meistens auch öffentlich angeprangert. Bei Facebook bleibt der massive Einfluss auf die Informations-Neutralität, die unsere Wahrnehmung eines Teils der Welt so massiv beeinflusst, ohne Folgen für den Konzern.

Anders als in einer Zeitung oder anderen redaktionellen Konzepten verschwimmt hier für uns Nutzer die Ebene von realer Information und Beeinflussung. Auch wenn einige von uns meinen, dass sie sich vor solcher Manipulation schützen können, denke ich, dass dies nicht möglich ist.

Wir sollten uns schleunigst auf die Suche nach Konzepten machen, wie wir zum einen wieder Herr über unsere Daten werden, und zum anderen so viel Geld für einen Dienst bezahlen, dass wir erwarten können, dass nicht wir selber das Produkt sind, sondern für unser reales Geld auch eine reale Dienstleistung erhalten.

"Warum Facebook eine Meta Netzneutralität verletzt und was das für uns Nutzer bedeutet"