Netzneutralität – eine Utopie?!

Netzneutralität – eine Utopie?!

Digitalisierung 3 min. Lesezeit
Stefan Fritz Experte für faire digitale Plattformen

Netzneutralität ist ein zunehmend aktuelles Thema mit vielen Facetten. Aufgrund der Komplexität (und Länge) habe ich mich entschieden, daraus einen Fortsetzungsartikel zu machen, den ich über mehrere Tage und Einträge hinweg im Blog veröffentlichen werde.

Teil 1: Der Traum der Menschen: das freie Internet

Seit die Darpa in den 60er Jahren des vorigen Jahrtausends die Grundpfeiler für das Internet gelegt hat, ist “Freiheit” ein wichtiger Baustein bei der Konstruktion. Dabei ist “Freiheit” im Sinne von “Robustheit” zu verstehen. Das Internet soll ja als militärischer Grundnutzen nicht von einer zentralen Stelle abhängen, sondern völlig dezentral und quasi selbstorganisierend und autonom funktionieren, auch wenn einzelne Teile zerstört oder angegriffen werden. Aus diesem Grundgedanken hat sich nicht nur bei den Nerds, sondern auch bei Geeks, Hackern und Normalo-Usern eine Art Mantra des freien Internets etabliert:

  • Jeder Mensch kann von jedem Ort auf alles Wissen der Welt zugreifen.
  • Jeder Mensch kann sich wann er will mit jedem anderen Menschen oder anderen Maschinen verbinden.
  • Jeder kann irgendwo auf der Welt einen neuen digitalen Dienst (= Service) starten, und Jeder Mensch oder jede Maschine kann ihn nutzen.
  • Jeder Mensch hat die Freiheit im Internet zu sein wer oder was er will, solange er keinem anderen schadet.

Die Kehrseite, die mit diesem Mantra des freien Internet einhergeht, bedeutet:

  • Jeder kann von jedem angegriffen werden.
  • Jeder muss sich selber vor den Bösen schützen.
  • Keiner weiß genau, wer die Bösen sind; er weiß noch nicht einmal, wer das Gegenüber am anderen Ende der Verbindung wirklich ist. Keiner weiß, wem er im Internet trauen kann und wem nicht.

Für bzw. gegen diese dunkle Seite der Macht gibt es zwar Einzel-Antworten, die versprechen uns zu schützen. Ein allumfassendes durchgängiges Schutzkonzept, welches uns die Freiheiten garantiert ohne die dunklen Seiten in Kauf nehmen zu müssen, suchen wir jedoch vergebens.

Wer beeinflusst die Freiheit im Internet und wie?

Die Spieler sind groß und mächtig und ließen sich über viele Jahre hinweg in drei einfache Kategorien einteilen:

  • Carrier,
  • Media Unternehmen und
  • staatliche Stellen bzw. die Politik.

In den letzten 10 Jahren ist das Feld zunehmend komplizierter geworden, weil noch weitere Spieler hinzugekommen sind. Zumindest die Wichtigsten und Mächtigsten möchte ich hier einmal vorstellen.

Diese sieben großen Player nehmen maßgeblichen Einfluss auf die Freiheit im Internet:

  • Carrier – sowohl die großen internationalen Tier1 Carrier  (Telekom, AT&T, Level3) als auch die Verteilnetz Carrier wie (wieder die) Telekom, Vodafone und die lokalen Carrier wie NetAachen/NetCologne.
  • Kabelnetzbetreiber als Zwitter aus einer alten Welt, in der es noch keine IP-Netze gab und in der das Fernsehprogramm der mächtigste Content war.
  • Reine Inhalts-Distributoren wie Sky aus der alten Sateliten- Distributions- Welt und Netflix aus der neuen IP- Welt.
  • Qualcomm mit der Person Paul Jacobs als  Noch-CEO (ja wirklich: ein Chipproduzent, dazu später mehr!).
  • Google „wir helfen euch beim Finden und Organisieren“ – der erste Meta- und Mega- Aggregator.
  • Apple – der einzige Player aus dem Computing-Umfeld (IBM, Microsoft, HP und Co. spielen in diesem Spiel zumindest keine Rolle).
  • Wir Verbraucher und Nutzer: Denn unser Einfluss ist nicht unbedingt klein in diesem Spiel um Macht und Margen.

Natürlich ist die Liste nicht abschließend, aber für die von mir herzustellenden Verbindungen ist sie erst ´mal ausreichend. Auf die Rollen dieser Akteure werde ich in wenigen Tagen an dieser Stelle in der Fortsetzung näher eingehen.

"Netzneutralität – eine Utopie?!"