Grundbedürfnis von Interaktivität, Einfachheit und Einheitlichkeit

Grundbedürfnis von Interaktivität, Einfachheit und Einheitlichkeit

Digitalisierung 5 min. Lesezeit
Ibrahim Evsan - Experte für Digital Leadership
Ibrahim Evsan Experte für Digital Leadership

In meinem letzten Beitrag ging ich auf die Anforderungen an die Set-Top-Box ein. Von sowohl der technischen Seite als auch von der Betrachtungsweise des Konsumenten besteht also ein dringender Bedarf sich der Thematik anzunehmen. Für die erfolgreiche Integration der Set-Top-Box als digitales Medienzentrum in unseren Wohnzimmern müssen die Technik und die Dienstleistung dieses neuen Medienangebots gemeinsam in ihrer Kombination unschlagbar sein. Das derzeitige Equipment, mit dem der Markt versorgt (sein) wird, reicht dafür aber noch nicht aus. Zahlreiche technische Hindernisse beschränken den Nutzer darin, die Set-Top-Box überhaupt intensiv einzusetzen. Diese möchte ich mit diesem Beitrag aufweisen und entsprechende Lösungsvorschläge unterbreiten.

Schaudiagramm über Distrubation und Kommunikation

Set-Top-Box: Codecs und Schnittstellen

Wie bereits erwähnt, werden die Inhalte über die Set-Top-Box in einem monatlichen Abonnement oder Pay Per View dem Konsumenten bereitgestellt. Dennoch ist derzeit nicht klar zu erkennen, dass einheitliche Codecs zur Darstellung dieser Inhalte von allen Herstellern der Set-Top-Boxen verwendet werden. Ebenfalls fehlen offene Standards um die Inhalte zwischen den verschiedenen Endgeräten auszutauschen – einheitliche Mediaintegrations-Schnittstellen sind dafür nötig. Nur so ist es auch anderen Agitatoren (wie auch sevenload und Co.) auf dem Markt möglich, eigene Programme den Konsumenten anzubieten. Diese Content-Anbieter sind dadurch von den TV Sendern gelöst, der Konsument profitiert von der Angebotsvielfalt und steht wiederum als Nutzer im Vordergrund.

Ich gebe hierbei Bertram mit seinem Kommentar recht, dass RSS als Schnittstelle nur eine Möglichkeit zur Einspeisung des EPGs oder einzelner Playlisten ist, jedoch die Interaktivität und individuelle Austauschbarkeit so kaum möglich ist. Mit den Schnittstellen sind entsprechende Lösungen über XML und ein hochfunktionales Betriebssystem verbunden. Der Einsatz eines einheitlichen „Browsers“ ist hierfür sehr wichtig.

Betriebssystem der Set-Top-Box

Wer diese interaktiven Dienste anbieten möchte, muss also daran denken, dass die Set-Top-Box letztendlich wiederum in der Bedienung und Benutzerfreundlichkeit für jeden Menschen einsetzbar sein muss. Dabei dient der tägliche Gebrauch von Computern als Grundverständnis der aktiven Nutzer der Set-Top-Box. Doch zahlreiche Unterschiede je nach Hersteller in den Oberflächen führen zur Irritation des Konsumenten. Zur Realisierung einer solchen Oberfläche (beispielsweise durch einen einheitlichen GUI oder Browser) sind meiner Meinung nach Open-Source Technologien ideal geeignet. Ein einheitliches, sicheres und stabiles System für die Bereitstellung des EPGs, die interaktiven Spielshows, Video on Demand und die reine Spieletechnologie ist als konsequente Folge der technischen Entwicklung ein Muss. Und dieses Betriebssystem darf für den Konsumenten natürlich keinesfalls mit zusätzlichen Kosten verbunden werden – es ist nur mit den von mir bereits aufgezeigten Leistungen (über kostenlose Update- und Supportservices) interessant.

Set-Top-Box: Interaktivität und Rückkanäle

Das Angebot der multimedialen Informationen darf jedoch nicht in eine einzige Richtung gehen. Die Set-Top-Box muss in Punkto Kommunikation ebenfalls leistungsstark sein. Damit ist nicht die rein technische Komponente über Schnittstellen und Codecs, sondern das Kommunikationsbedürfnis der Nutzer selbst relevant. Wenn die angebotenen Inhalte durch individuelle Nutzerpräferenzen oder Profile auf dem Endgerät einstellbar sind, gehe ich von einem hochspezifischen Nutzer aus, der dieses Endgerät aktiv nutzt. Die aktive Nutzung ist dabei kein An- und Ausschalten des Gerätes zwecks Berieselung ähnlich des Fernsehens, sondern sie ist eine direkte Teilnahme an der Gestaltung der Programmvielfalt.

Ich denke dafür an einen logisch nachvollziehbaren Feedback- bzw. Rückkanal im Sinne der Kommunikationstheorie von Shannon & Weaver. Die Set-Top-Box muss also auch das Kommunizieren über ihre Kanäle von den Nutzern zu den Betreibern, aber auch bei Bedarf durch die Nutzer untereinander erfolgen können. Bewertungen und Rezensionen einzelner Sendungen, die direkt in das Informationsangebot der Set-Top-Box einfließen und allen anderen Nutzern des Systems frei zugänglich gemacht werden, sind essentiell für die Abkehr einer einseitigen Kommunikationsrichtung. Doch über den Rückkanal muss neben dem Feedback durch Bewertungen und Kommentare auch die interaktive Gestaltung des Mediums möglich werden.

Beispielsweise dienen Quiz- und Gameshows den TV Sendern als ideales Mittel um Zuschauer an sich zu binden und zu begeistern. Eine direkte Teilnahme ist für den Zuschauer nicht möglich – mit Ausnahme der reinen Anwesenheit im Publikum oder als Kandidat in zentraler Rolle des Geschehens. Indirekt ist die Teilnahme durch die Bereitstellung von thematisch passenden Spielen über Telefonanrufe möglich. Dennoch ist der Fernsehzuschauer im Wohnzimmer niemals im Geschehen eingebunden. Mit der Set-Top-Box muss es für jeden möglich werden, innerhalb seines Abonnements ein Teil des TV Vergnügens zu werden. Ich halte es für immens wichtig, dass ich mit der Fernbedienung in meinem Wohnzimmer auch bei den Quizshows teilnehmen kann – was ohne zusätzliche Gebühr über das Premium-Abonnement der Set-Top-Box geregelt wird.

Ein weiterer Teil der Interaktivität ist natürlich Video on Demand. Zu der Technologie dahinter muss hier nicht mehr viel erzählt werden, aber generell gilt für die Set-Top-Boxen: Das jeweilige Video (Spielfilm, Serie, Infotainment, etc.) muss jederzeit bezogen werden können. Ebenfalls muss im Rahmen des Abonnements dieses jederzeit auch nach einem Jahr ohne erneuten Aufpreis bezogen werden können, falls man die ursprüngliche Datei aus Mangel an Speicherplatz von der Festplatte der Set-Top-Box gelöscht hat. Generell ist die Lösch Logik bei manchen Set-Top-Boxen noch nicht realisiert.

Entscheidend für den Erfolg eines Set-Top-Box Angebotes ist der Content-Mix und die Aufbereitung. Ich denke, dass Kunden bereit sind, für die Nutzung von Video on Demand (VoD), Games on Demand (GoD), Music on Demand (MoD) sowie Learning on Demand (LoD) zusammenfassend „X on Demand“ zu bezahlen. In der Zukunft wird das eher Apple mit seinem APPLE TV und Google (nennen wir es mal GOOGLE TV) möglich machen. Diese Entwicklung ist voll in Gang. Gott sei Dank.

"Grundbedürfnis von Interaktivität, Einfachheit und Einheitlichkeit"